«Beschreibung eines Kampfes» von Franz Kafka 1/2

Kafkas früheste Erzählung beginnt mit der Geschichte eines namenlosen Erzählers. Der berichtet von der Begegnung mit einem dicken Menschen, welcher vor seinem Ertrinken in einem Fluss eine Geschichte erzählt. Auch in dieser tritt ein Erzähler mit einer Geschichte auf. Es ist ein ungläubiger Beter.

Aufnahme aus dem Kafka-Museum Prag: ein Bild des Schriftstellers wird mehrfach verzerrt gespiegelt.
Bildlegende: Meister der Unschärfe: Kafkas namenlose Erzähler irren durch sprunghafte und verschachtelte Geschichten. Flickr/ Nico Paix

Die drei ineinander verschachtelten Geschichten spiegeln sich gegenseitig. Sie vermitteln den Eindruck, in einem hologrammatischen System eingebunden zu sein und eigentlich ein- und dieselbe Geschichte in leicht verschobener Perspektive abzubilden. Insgesamt werden fünf Begegnungen geschildert, davon finden vier zwischen Männern statt. Die Gefühlslagen sind stets ambivalent und schwanken zwischen Angst, Eifersucht und überschwänglicher Zuneigung.

Der Text entstand zwischen 1904 und 1907. Er blieb Fragment und gehört zum erst posthum von Kafka-Freund Max Brod veröffentlichten Nachlass. Einige Passagen allerdings hat Kafka herausgelöst und als Kurzprosa in seine erste Buchveröffentlichung «Betrachtung» von 1912/1913 aufgenommen.

Mit: Torben Kessler (Ich), Stefan Roschy (der Bekannte), Helmut Krauss (der Dicke), Lars Rudolph (der Beter), Thomas Douglas (der Betrunkene), Mareike Sedl (das Fräulein) u.a.

Musik: Thorsten Soltau, Jannik Giger, Giovanni Di Stefano - Hörspielfassung und Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 2013 - Dauer: je Folge ca. 62'

Franz Kafka, am 3. Juli 1883 in Prag geboren, wuchs in gutbürgerlichen, jüdischen Verhältnissen auf, gehörte zur deutschsprachigen Minderheit Böhmens, deren Dominanz von der tschechischen Mehrheit zunehmend in Frage gestellt wurde. Nach dem Gymnasium studierte er Jurisprudenz und machte bei der «Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt» eine kleine Beamtenkarriere. Er schrieb lediglich nebenbei. Mehrere Beziehungen folgten aufeinander; vor einer ehelichen Bindung scheute er immer wieder zurück. 1917 wurde bei Kafka eine damals noch nicht heilbare Lungentuberkulose diagnostiziert, an der er 1924 verstarb.

Redaktion: Claude Pierre Salmony