«Hate Radio» von Milo Rau

Radio läuft beim Kochen, beim Essen und beim Morden. Als 1994 in Ruanda der Völkermord verübt wird, liefert das Radio RTLM die Hintergrundmusik. Da spielen die Moderatoren «Rhythm of the Night», um dann zum Mord aufzurufen. Im Hörspiel «Hate Radio» wird eine Sendung von RTLM nachgestellt.

Ein Schauspieler spielt einen Moderator des RTLM in Ruanda.
Bildlegende: Oris Erhuero spielt den Moderator Honore des damaligen Extremistenradios RTLM in Ruanda. Keystone

«Hate Radio» wurde 2014 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Die Jury zeigte sich beeindruckt, wie Radio sich hier selbst reflektiere: «Drastisch wird vorgeführt, mit welchen Mechanismen Radio manipulieren kann: wie der coole sprachliche Duktus eine positive Stimmung des Einverständnisses erzeugt, wie die mords-gute Laune und die peppige Musik einen Sog erzeugen, dabei sein zu wollen.
Da wird im Ton von Fussballergebnissen die neuen Todeszahlen durchgegeben. Und da wird wie in Verkehrsnachrichten nicht die Lage von Staus, sondern die Lage von Häusern und Verstecken von Tutsi gemeldet, die man massakrieren soll.»

Mit: Bianca Hauda, Uwe Wassermann, Max von Malotki, Ill Young-Kim, Hüseyin Michael Cirpici, Benny Hogenacker, Edda Fischer

Aus dem Französischen von Mascha Euchner-Martinez, Eva-Maria Bertschy - Hörspielfassung und Regie: Milena Kipfmüller - Produktion: WDR/ORF 2013 - Dauer: 53'

Milo Rau wurde 1977 in Bern geboren. Der Autor und Theaterregisseur ist Kopf des Kollektivs «International Institute of Political Murder» (IIPM). Die Inszenierungen des IIPM beleuchten dunkle Kapitel der jüngeren Geschichte: die Erschiessung des rumänischen Diktators Ceausescu («Die letzten Tage der Ceausescus»), den ruandischen Völkermord («Hate Radio») oder den norwegischen Terroristen Anders Breivik («Breiviks Erklärung»). Milos Rau und das IIPM wurden 2014 mit dem «Schweizer Theaterpreis» ausgezeichnet.

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen auf unserer Internetseite nur einen Ausschnitt des Hörspiels anbieten.

Redaktion: Wolfram Höll