«Herrn Walsers Raben» von Wolfgang Hildesheimer

Adrian Walser, ein junger, wohlhabender Müssiggänger, hat von seinem Onkel Fabian einst eine Zauberformel bekommen, mit der er sich der unliebsamen Verwandtschaft entledigen, sie gleichsam in schwarze Raben verwandeln kann. Eine ganze Schar flattert jetzt vor seinem Fenster.

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Eines Tages kündigt sich Unheil an: Tante Cosima kommt zu Besuch, in Begleitung des merkwürdigen Herrn Mönkeberg. Die Tante behauptet zu wissen, wo der gesamte Rest der Familie verblieben ist. Sie beschuldigt, mit Blick auf die Vögel vorm Fenster, den jungen Adrian, auf geheimnisvolle Weise am Verschwinden der Verwandtschaft beteiligt gewesen zu sein, und will ihn erpressen: Er muss ihre Tochter heiraten.

Wolfgang Hildesheimers Hörspiel (Ursendung BR/NDR 1960) ist halb surrealer Kriminalfall, halb ironische Séance. «Die Komik in der Verwandlung lässt die Frage zu, ob es ganz abwegig wäre, sich auf schwarzen Flügeln davonzumachen. Das Glück der Zurückbleibenden ist die Resignation, ein von Selbstironie und einer liebevollen Köchin verklärter Lebensabend.» (Günther Eich)

Mit: Peter Brogle (Adrian Walser), Grete Heger (Frau Borgward), Anne-Marie Blanc (Tante Cosima), Horst Warning (Herr Mönkeberg)

Tontechnik: Willy Helbig, Anneliese Hasler - Regie: Mario Hindermann - Produktion: SRF 1984 - Dauer: 51'

Wolfgang Hildesheimer (1916 - 1991) war ein deutscher Schriftsteller und Maler. 1933 emigrierte er nach England und später nach Palästina. Er war von 1946 bis 1949 Simultandolmetscher bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg. 1955 erhielt er für sein Hörspiel «Prinzessin Turandot» den «Hörspielpreis der Kriegsblinden». Neben vielen anderen Preisen und Auszeichnungen wurde Wolfgang Hildesheimer 1966 mit dem «Georg-Büchner-Preis» geehrt und 1982 mit dem «Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste».

Redaktion: Margret Nonhoff