«Lockbuch» von Nora Gomringer und Ulrike Haage

Anfang und Ende einer Liebe - in diesem Hörspiel kommen sie zusammen. In dem Bewusstsein, dass wir weder der Liebe noch dem Schmerz entfliehen können, treffen hier Sprachbilder der Dichterin und Performance-Künstlerin Nora Gomringer auf Gedichte von Annemarie Bostroem aus dem Jahre 1947.

Nora Gomringer, Selfie.
Bildlegende: Nora Gomringer, Selfie.

Eine Radionovelle von der Liebe und vom Verlassenwerden: «In der Liebe hat sich seit 1947 nicht vieles verändert. Vielleicht sind ein paar ihrer Anbahnungswege elektronischer geworden. Das gute alte Miteinander jedoch ist immer noch an dieselben Verrücktheiten, Köstlichkeiten, Wildheiten und Zerreissproben gekoppelt; ist denselben Alltagdämonen seit der ersten sprechenden Schlange in einem blühenden Baum ausgesetzt.»

Annemarie Bostroems «Terzinen des Herzens» sind formal streng komponierte Gedichte, in denen die damalige Mittzwanzigerin ihre Liebe zu dem 30 Jahre älteren Expressionisten Friedrich Eisenlohr zum Ausdruck brachte. In der DDR war der Band ideologisch verpönt und wurde - nicht allein deswegen - ein Bestseller. Nora Gomringers Foto- und Lyrikband «Lockbuch» erschien 2015 und ist bezeichnet als «Novelle vom Verlassen und Werden in Bildern und Zeilen, Zeichen und Wunden».

Durch die Handschrift der Pianistin und Hörspielmacherin Ulrike Haage treten die Texte der beiden Autorinnen in einen Dialog. Die Produktion lockt uns in eine Welt aus Sprachperformance und Gesang - auf der musikalisch-akustischen Jagd durch Tag und Nacht, Club und Park, Anfang und Ende.

Das Hörspiel ist Annemarie Bostroem gewidmet, die im September 2015 starb. Vor ihrem Tod hatte Ulrike Haage Gelegenheit, die Lyrikerin zu treffen. Ausschnitte jenes Gesprächs hat sie in den Anfang ihres Hörspiels eingebaut.

Mit: Nora Gomringer und David Bennent sowie Annemarie Bostroem im Originalton; Gesang: Christa Diwiak, Christfried Biebrach und der NDR Chor; Flügel: Ulrike Haage, Schlagzeug: Philipp Scholz

Komposition und Regie: Ulrike Haage
Produktion: NDR/DLF 2016
Dauer: 43'

Redaktion: Susanne Janson