Der fragwürdige Wettbewerb: Ein junger Festivalgänger macht am Openair Gampel an einem Gewinnspiel mit, welches das Finanzberatungsunternehmen SMZH anbietet. Als Preise winken ein Velo für 5000 Franken oder VIP-Festivaltickets. Zwar räumt der 25-Jährige keinen solchen Gewinn ab. Doch ein Finanzberater teilt ihm mit, dass die Firma grosszügigerweise Zusatzpreise verlost habe. Er habe eine Finanzberatung inklusive Gutschein zum Ausfüllen der Steuererklärung gewonnen – ein Paket im Wert von rund 1500 Franken. Doch dieses Angebot entpuppt sich als Flop.
Aggressiver Verkäufer: Statt eines seriösen Beraters sieht sich der junge Mann mit einem aufdringlichen Mitarbeiter konfrontiert, der ihn zu einem Treffen überredet. Dieses habe jedoch nicht im Büro stattgefunden, sondern höchst unseriös in einem Restaurant. Mitten in der Öffentlichkeit hätten sie über seine dritte Säule und Optimierungsmöglichkeiten gesprochen. Insgesamt habe der Mitarbeiter ihn fast zwanzig Mal angerufen – mit verschiedenen Nummern – und unter Druck gesetzt, schildert der Betroffene im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Selbst als er ihn gebeten habe, ihn nicht mehr zu kontaktieren, habe er weitere Anrufe erhalten.
Vergleichbare Fälle: Das Onlineportal Aarau24 berichtete schon 2024 über einen ähnlichen Fall nach einem Gewinnspiel. Auch bei «Espresso» hat sich eine weitere Betroffene deswegen gemeldet. Und ein Blick auf die Google-Rezensionen der Firma zeigt: Es gibt zwar Wettbewerbsgewinnerinnen und -gewinner, welche die Finanzberatung als gute Erfahrung beschreiben. Andere warnen jedoch vor «extrem aufdringlichen» Beratern, die ein Nein nicht akzeptiert hätten – wie beim 25-Jährigen. Seine Vermutung: Die Firma wolle einen so gezielt zu Angeboten für die dritte Säule überreden, die für das Unternehmen besonders lukrativ seien.
Finanzfirma weist Vorwürfe zurück: Die SMZH distanziert sich von den Anschuldigungen. Sie schreibt, sie achte bei ihrer Beratung auf die individuelle Situation der Kundschaft: «Provisionsgetriebene Verkaufsziele widersprechen unserem Geschäftsmodell.» Man bedauere, wenn einzelne Personen den Kontakt mit ihnen als unangenehm erlebt hätten. Bei 18'000 Kundinnen und Kunden könne es aber gelegentlich zu negativen Erfahrungen kommen. Es widerspreche jedoch klar den internen Richtlinien, dass Beraterinnen und Berater Leute unter Druck setzen und ein Nein nicht akzeptieren würden. Aufgrund des vorliegenden Falles habe die Firma nun eine interne Prüfung eingeleitet und dem Betroffenen ein Gespräch angeboten.
So reagiert das Openair Gampel: Der Veranstalter schreibt, aufgrund der SRF-Recherche werde es keine weitere Zusammenarbeit mit der SMZH geben. Man habe gewusst, dass das Unternehmen Tickets für den Wettbewerb verwende. Vom weiteren Vorgehen nach dem Openair hätten sie jedoch keine Kenntnisse gehabt.