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Viele Reaktionen auf die bargeldlosen SBB-Toiletten
Aus Espresso vom 05.09.2022. Bild: SRF
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Hunderte Rückmeldungen Empörung und wenig Verständnis für bargeldlose Bahnhof-WCs

Das Bahnhof-WC in Luzern ist nur noch bargeldlos zugänglich. «So nicht!», findet die SRF-Community.

In Luzern kann seit Mitte Juni nur noch sein «Geschäft» erledigen, wer bargeldlos und kontaktlos bezahlen kann. Das Bahnhof-WC wurde umgerüstet, Alternativen gibt es keine, «Espresso» berichtete.

Zahlreiche empörte Rückmeldungen

In der SRF-Community stösst diese Umstellung auf wenig Verständnis. «Wo bleibt da der Respekt und das Verständnis für unsere ältere Generation?», fragt eine Hörerin in einer Mail an die Redaktion. Jemand anders schreibt: «Jene, die die Schweiz zu dem gemacht haben, was sie heute ist, werden sträflich vernachlässigt.»

Bargeldlose SBB-Toiletten

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Seit dem 11. Juni ist der Zutritt zum Bahnhof-WC nur noch bargeldlos möglich. Wer dringend muss, kann nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Da für das alte Bezahlsystem keine Ersatzteile mehr erhältlich gewesen seien, habe man umgerüstet, schreibt die SBB. Was in Luzern bereits fix ist, wird in Pilotprojekten in Olten, Schaffhausen, Uster und Regensdorf aktuell noch getestet. Alternativen für den Zutritt auf die Toilette gibt es nicht.

Es sind längst nicht nur ältere Menschen, die sich bei «Espresso» melden. Vielen geht es um Solidarität mit jenen Menschen, die noch nicht mit der neusten Technik vertraut sind. Dabei gehe es nicht nur um Seniorinnen und Senioren. Eine Hörerin schreibt in einem Kommentar, ihre 12-jährige Tochter sei für ihr Hobby mehrmals pro Woche allein mit dem ÖV unterwegs und habe immer einen «Bisi-Zweifränkler» dabei. «Das würde heissen, sie braucht jetzt eine eigene Bankkarte oder Twint, damit sie in Sicherheit auf ein sauberes WC kann.»  

Auch «nur» Münz nicht immer einfach

Aber es gibt auch andere Kommentare. Jene Menschen, die finden, dass die Münzautomaten nicht mehr zeitgemäss sind. Eine Frau kommentiert beispielsweise: «Diesen Sommer ist es mir mehrmals passiert, dass ich an verschiedensten Bahnhöfen keinen Zugriff auf das WC hatte, weil dort nur mit Bargeld bezahlt werden konnte.» Und jemand anderes sieht es noch radikaler: Wer keine Karte zum kontaktlosen Zahlen wolle, müsse diese Kröte halt schlucken.

Kritik von allen Seiten

Anders sieht man das beim Forum Luzern 60 Plus, einem Organ der Stadt, das sich mit solchen Themen auseinandersetzt. Präsidentin Angelica Ferroni geht mit der SBB hart ins Gericht: «Ich finde es unmöglich, dass eine ganze Bevölkerungsschicht, die jetzt noch nicht digital unterwegs ist, bei der Benutzung einer öffentlichen WC-Anlage ausgegrenzt wird», sagt Ferroni gegenüber «Espresso».

Alle Leute sollten auch zu den WCs uneingeschränkten Zugang haben.
Autor: Sara Stalder Stiftung für Konsumentenschutz

Ähnlich sieht das auch Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz. Es gehe um Service public: «Das heisst: Alle Leute sollten auch zu den WCs uneingeschränkten Zugang haben.»

Und sogar beim Bundesamt für Verkehr gibt es eine klare Erwartung an die SBB. Mediensprecher Michael Müller sagt, man könne der SBB in Bezug auf die Bewirtschaftung der Toiletten nichts vorschreiben.

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Aber: «Wenn die SBB Modernisierungen oder Digitalisierungsschritte vornimmt, erwarten wir natürlich, dass dies mit Augenmass und der grösstmöglichen Rücksichtnahme vor allem auf die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger geschieht.» Das heisst im Klartext: Die von Pro Senectute vorgeschlagene Jeton-Lösung wäre eine solche Möglichkeit. Zumindest aber müsse die SBB vor Ort informieren, wo es eine andere WC-Anlage gibt.

SBB: Trotz Kritik keine Änderung geplant

Auf die Frage, ob die SBB dieses Thema unterschätzt habe, heisst es: «Im Fall vom bargeldlosen Bezahlen beim WC im Bahnhof Luzern gingen von Juni bis August 2022 insgesamt wenige Dutzend Rückmeldungen bei unserem Kundendienst ein, welche sich mehrheitlich wünschten, auch mit Bargeld bezahlen zu können.»

Weitere Massnahmen oder Alternativen stehen demnach aktuell nicht zur Diskussion. Die SBB schreibt aber, man werde die Rückmeldungen auswerten und in die Weiterentwicklung der WC-Anlagen und Bezahlsysteme einfliessen lassen.

Espresso, 05.09.22, 08:13 Uhr;

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