Worum geht es? In der Schweiz setzen Parkhäuser vermehrt auf die sogenannte automatische Kennzeichenerkennung. Wenn ein Auto ein- und ausfährt, scannen Kameras das Nummernschild. Die Firma Wemolo beispielsweise setzt dieses System in Parkhäusern ein. Schranken sind nicht mehr nötig. Kundinnen und Kunden müssen kein Ticket mehr lösen. Bezahlen können sie entweder an einem Automaten vor Ort, indem sie ihr Kennzeichen eintippen. Oder sie begleichen die offene Parkgebühr online – bis zu 24 Stunden nach der Ausfahrt. Doch was konsumentenfreundlich klingt, hat bei einer Nutzerin jüngst für Frust gesorgt.
Was erlebt die Kundin? Die Frau parkiert im November in einem Zürcher Parkhaus, das von Wemolo betrieben wird. Die Parkgebühr begleicht sie, indem sie mit ihrem Handy einen QR-Code scannt. Als Zahlungsmethode wählt sie Twint. Bei der Ausfahrt zeigt ein grüner Bildschirm an, dass die Kundin bezahlt hat. Doch kurz darauf erhält sie eine Busse für 60 Franken, weil sie die Parkgebühren nicht beglichen haben soll. «Stimmt nicht», sagt die 43-Jährige. Der Bildschirm habe ihr schliesslich grünes Licht gegeben. «Ich habe den Eindruck, dass ich hier für ein unausgereiftes System aufkommen soll.» Doch die Firma Parkdepot, welche für die Bussen zuständig ist, bleibt hart.
Wie löst sich der Fall? Da die Zürcherin nicht weiterkommt, schaltet sie das Konsumentenmagazin «Espresso» ein. Nun geht es plötzlich schnell. Parkdepot storniert die Busse und entschuldigt sich. Ein «einmaliges technisches Problem» sei aufgetreten. Wemolo ergänzt: Die Kundin habe fälschlicherweise bei der Ausfahrt einen grünen Bildschirm gesehen, obwohl die Twint-Zahlung noch nicht erfolgreich gewesen sei und schliesslich nicht funktioniert habe. Zwar müsste die Kundin in einem solchen Fall eine Rückmeldung von Twint bekommen. Laut der Betroffenen geschah dies jedoch nicht. Weshalb, bleibt offen. Wemolo schreibt, der Vorgang werde nun optimiert.
Wie viele Parkhäuser setzen auf automatische Kennzeichenerkennung? Genaue Zahlen gibt es nicht. Laut dem Branchenverband Parking Swiss sind solche Systeme jedoch schon gut verbreitet. Gerade Detailhändler, deren Kundinnen und Kunden eine Zeit lang gratis parkieren können, würden sie nutzen. Parking Swiss rechnet damit, dass sich die automatische Kennzeichenerkennung bei Renovationen oder Neubauten durchsetzt. Dies heisse aber nicht, dass alle Parkhäuser keine Schranken mehr hätten: «Bei tendenziell vollen Parkings und solchen in Stadtzentren haben Schranken ihre Daseinsberechtigung.»
Was sagt die Kundschaft? «Die Kundinnen und Kunden schätzen es, dass sie kein Ticket benötigen», hält Parking Swiss fest. Gewisse Kunden seien jedoch auch verunsichert, weil ihnen nicht klar sei, wie die Bezahlung funktioniere. Hier gibt es je nach Parkhaus Unterschiede: Manchmal können Kundinnen und Kunden anfänglich gratis parkieren, an anderen Standorten zählt jede Minute. Je nach Anbieter gibt es zur Bezahlung eine App oder man kann einen QR-Code scannen. Häufig sei zusätzlich die Bezahlung an einem Automaten möglich, schreibt Parking Swiss. Wichtig ist laut Verband, dass die Betreiber diese Bedingungen klar signalisieren und die Kundschaft sich informieren kann.