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Kameras scannen Nummernschild Zu Unrecht gebüsst – weil das Parkhaus-System «bockt»

Die automatische Kennzeichenerkennung gilt als Zukunft des Parkierens. Doch das System kann Kunden auch ärgern.

Worum geht es? In der Schweiz setzen Parkhäuser vermehrt auf die sogenannte automatische Kennzeichenerkennung. Wenn ein Auto ein- und ausfährt, scannen Kameras das Nummernschild. Die Firma Wemolo beispielsweise setzt dieses System in Parkhäusern ein. Schranken sind nicht mehr nötig. Kundinnen und Kunden müssen kein Ticket mehr lösen. Bezahlen können sie entweder an einem Automaten vor Ort, indem sie ihr Kennzeichen eintippen. Oder sie begleichen die offene Parkgebühr online – bis zu 24 Stunden nach der Ausfahrt. Doch was konsumentenfreundlich klingt, hat bei einer Nutzerin jüngst für Frust gesorgt.

Was gilt beim Datenschutz?

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  • Die Regeln: Laut Gesetz gelten bei der automatischen Kennzeichenerkennung bestimmte Vorgaben. So müssen die Betreiber die Kundinnen und Kunden etwa transparent über das Vorgehen informieren. «Diese Informationen müssen vor der Einfahrt ins Parkhaus verfügbar sein», sagt der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger. Weiter dürften die Betreiber nur so viele Daten sammeln wie unbedingt nötig. «Und die Daten sind so schnell wie möglich zu löschen, sobald der Zweck der Bearbeitung erfüllt wurde.»
  • Die Umsetzung: Auf Anfrage schreiben mehrere Betreiber von Parkhäusern sinngemäss, ihre Systeme seien datenschutzkonform. Liege kein Parkverstoss vor, würden die Aufnahmen nach 48 Stunden wieder gelöscht. Die Kameras würden keine Videoaufnahmen aufzeichnen, sondern lediglich ein Bild des Nummernschildes. Dabei sei nicht zu erkennen, wer im Auto sitze.

Was erlebt die Kundin? Die Frau parkiert im November in einem Zürcher Parkhaus, das von Wemolo betrieben wird. Die Parkgebühr begleicht sie, indem sie mit ihrem Handy einen QR-Code scannt. Als Zahlungsmethode wählt sie Twint. Bei der Ausfahrt zeigt ein grüner Bildschirm an, dass die Kundin bezahlt hat. Doch kurz darauf erhält sie eine Busse für 60 Franken, weil sie die Parkgebühren nicht beglichen haben soll. «Stimmt nicht», sagt die 43-Jährige. Der Bildschirm habe ihr schliesslich grünes Licht gegeben. «Ich habe den Eindruck, dass ich hier für ein unausgereiftes System aufkommen soll.» Doch die Firma Parkdepot, welche für die Bussen zuständig ist, bleibt hart.

Wie löst sich der Fall? Da die Zürcherin nicht weiterkommt, schaltet sie das Konsumentenmagazin «Espresso» ein. Nun geht es plötzlich schnell. Parkdepot storniert die Busse und entschuldigt sich. Ein «einmaliges technisches Problem» sei aufgetreten. Wemolo ergänzt: Die Kundin habe fälschlicherweise bei der Ausfahrt einen grünen Bildschirm gesehen, obwohl die Twint-Zahlung noch nicht erfolgreich gewesen sei und schliesslich nicht funktioniert habe. Zwar müsste die Kundin in einem solchen Fall eine Rückmeldung von Twint bekommen. Laut der Betroffenen geschah dies jedoch nicht. Weshalb, bleibt offen. Wemolo schreibt, der Vorgang werde nun optimiert.

Wemolo: System ist «markterprobt»

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Die Firma weist denn Vorwurf der Kundin zurück, dass dieses Parkmodell unter Kinderkrankheiten leide: «Das System ist absolut markterprobt», schreibt Wemolo. Täglich würden sie in verschiedenen Ländern mehr als 2.5 Millionen Parkvorgänge abwickeln. Die Fehlerquote sei dabei «verschwindend gering».

Wie viele Parkhäuser setzen auf automatische Kennzeichenerkennung? Genaue Zahlen gibt es nicht. Laut dem Branchenverband Parking Swiss sind solche Systeme jedoch schon gut verbreitet. Gerade Detailhändler, deren Kundinnen und Kunden eine Zeit lang gratis parkieren können, würden sie nutzen. Parking Swiss rechnet damit, dass sich die automatische Kennzeichenerkennung bei Renovationen oder Neubauten durchsetzt. Dies heisse aber nicht, dass alle Parkhäuser keine Schranken mehr hätten: «Bei tendenziell vollen Parkings und solchen in Stadtzentren haben Schranken ihre Daseinsberechtigung.»

Detailhändler rüsten Parkplätze auf

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Die Migros hat die automatische Kennzeichenerkennung letztes Jahr an 15 Standorten eingeführt. Coop wiederum hat bereits 2020 die ersten Parkhäuser so ausgerüstet. Aktuell seien über 60 Parkhäuser mit dem System ausgestattet, schreibt Coop auf Anfrage. Bei beiden Detailhändler soll es in Zukunft noch weitere Filialen mit solchen Parkflächen geben. Die Migros beispielsweise plant, die automatische Kennzeichenerkennung dieses Jahr an 25 weiteren Standorten einzuführen.

Was sagt die Kundschaft? «Die Kundinnen und Kunden schätzen es, dass sie kein Ticket benötigen», hält Parking Swiss fest. Gewisse Kunden seien jedoch auch verunsichert, weil ihnen nicht klar sei, wie die Bezahlung funktioniere. Hier gibt es je nach Parkhaus Unterschiede: Manchmal können Kundinnen und Kunden anfänglich gratis parkieren, an anderen Standorten zählt jede Minute. Je nach Anbieter gibt es zur Bezahlung eine App oder man kann einen QR-Code scannen. Häufig sei zusätzlich die Bezahlung an einem Automaten möglich, schreibt Parking Swiss. Wichtig ist laut Verband, dass die Betreiber diese Bedingungen klar signalisieren und die Kundschaft sich informieren kann.

Espresso, 16.1.2026, 8:10 Uhr

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