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Manipulation beim Ticketkauf Konsumentenschutz deckt Tricks der Tickethändler auf

Aktivierte Ticketversicherungen und andere Zusatzleistungen: Wer nicht aufpasst, bezahlt zu viel für Tickets.

Darum geht es: Ticketplattformen wie Ticketcorner oder Ticketmaster setzen beim Verkaufsprozess auf sogenannte Dark Patterns. Das stellt die Stiftung für Konsumentenschutz fest, die fünf solche Plattformen genauer angeschaut hat. Dark Patterns sind von den Unternehmen bewusst eingesetzte, manipulative Gestaltungselemente, die Konsumentinnen und Konsumenten in ihren Entscheidungen und Handlungen beeinflussen sollen. So ist etwa bei vier der fünf untersuchten Ticketplattformen standardmässig eine kostenpflichtige Ticketversicherung vorausgewählt.

Informationen des Konsumentenschutzes

Was kritisiert der Konsumentenschutz? Durch den Einsatz von Dark Patterns würden sich die Ticketplattformen bereichern, so der Konsumentenschutz in einer Mitteilung. Die Anbieter versuchten, «den Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf Zusatzleistungen unterzujubeln». Beispielsweise werde mit Countdowns – also mit künstlich erzeugtem Zeitdruck – dem Käufer anzeigt, wie lange seine Tickets noch im Warenkorb bleiben. Das könne den Kaufstress erhöhen, so Lucien Jucker, Jurist beim Konsumentenschutz: «Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Käuferinnen und Käufer vorausgewählte Zusatzleistungen wie eben Ticketversicherungen ungewollt mitbestellen.»

Neue Plattform informiert über Dark Patterns

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Die Stiftung für Konsumentenschutz hat eine Informationsplattform zu Dark Patterns lanciert. Auf da-pa.ch gibt es neben konkreten Beispielen aus der Praxis auch allgemeine Informationen rund um Dark Patterns. Zudem sind Konsumentinnen und Konsumenten dazu aufgerufen, selbst entdeckte Dark Patterns zu melden.

Um welche Plattformen geht es? Neben Ticketcorner und Ticketmaster hat der Konsumentenschutz auch die Kaufvorgänge von Eventfrog, Petzi-Tickets und See Tickets kontrolliert. Die Stiftung konnte bei allen Anbietern Dark Patterns feststellen. Besonders auffällig sei Eventfrog, wo die vorausgewählte Ticketversicherung bei jedem Ticket einzeln abgewählt werden müsse: «Zusätzlich landet standardmässig ein Spendenbeitrag zugunsten von Eventfrog im Warenkorb.» Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» hat die erwähnten Anbieter um eine schriftliche Stellungnahme gebeten.

Spezialfall Eventfrog

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Der Konsumentenschutz kritisiert Eventfrog insbesondere, weil die vorausgewählte Ticketversicherung für jedes Ticket einzeln abgewählt werden muss und weil ein Spendenbeitrag an die Plattform automatisch vorausgewählt ist. Dazu schreibt Eventfrog:

Ticketversicherung: «Da das Bedürfnis nach Absicherung seit der Covid-19-Pandemie stark gestiegen ist, bieten wir diese Option als Voreinstellung an. Sie bleibt jedoch jederzeit klar erkennbar und mit einem Klick abwählbar. Wir [...] werden die Abwahl der Ticketversicherung für sämtliche Tickets mit einem einzigen Klick im Rahmen der nächsten Überarbeitung unseres Kaufprozesses prüfen.»

Spendenbeitrag: «Wir ermöglichen einen komplett gebührenfreien Ticketverkauf [...]. Eventfrog übernimmt dabei sogar die Transaktionsgebühren für Kreditkarten oder Twint. [...] Viele Käuferinnen und Käufer unterstützen dieses Modell gezielt mit einem Spendenbeitrag.»

Die Zusatzleistungen seien transparent ausgewiesen. Wenn jemand eine solche Leistung versehentlich buche, sei man kulant und bezahle den Betrag unbürokratisch zurück.

Das sagen die Plattformen zur Ticketversicherung: Eventfrog begründet die automatisch vorausgewählte Ticketversicherung mit der Covid-19-Pandemie: Seither sei das Bedürfnis nach Absicherung stark gestiegen. Bei See Tickets heisst es, der Ticketschutz werde von den Kunden oft sehr geschätzt. Falls er versehentlich mitbestellt werde, könne man sich innerhalb von 24 Stunden melden und erhalte den Betrag zurück. Ticketcorner spricht von einem objektiven Mehrwert für Kundinnen und Kunden – das sei Standard in der Branche und «breit akzeptiert». Und Ticketmaster schreibt, die Versicherung sei nicht versteckt, sondern klar ausgewiesen und einfach zu entfernen.

So begründen die Anbieter den Einsatz eines Countdowns: Hier wehren sich die Anbieter ausdrücklich gegen die Kritik des Konsumentenschutzes. Insbesondere bei Veranstaltungen mit grosser Nachfrage sei eine zeitliche Begrenzung des Warenkorbs zwingend, um die Tickets nicht unnötig für eine lange Zeit zu blockieren. Sie könnten damit schnell wieder für andere Interessierte freigegeben werden. Lucien Jucker vom Konsumentenschutz sagt dazu, der Countdown allein sei weniger ein Problem, sofern er lange genug daure, «aber in der Gesamtheit erhöht er die Drucksituation».

Espresso, 22.1.2026, 8:10 Uhr

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