Eine Migros-Kundin aus dem Kanton Aargau sucht eine nachhaltige Lösung zum Wegwerf-Backpapier und kauft schliesslich eine Dauerbackfolie der Migros-Eigenmarke «Kitchen und Co.». Nicht zuletzt auch deshalb, weil diese mit dem Label «Eco Friendly» versehen ist. Doch als sie die Verpackung zu Hause näher anschaut, entdeckt sie dort auch den «M-Check» – und ist irritiert.
Denn im «M-Check» schneidet das selbe Produkt miserabel ab: In drei Kategorien – Rezyklierbarkeit, Klimabilanz und Umweltverträglichkeit – erhält die Backunterlage von fünf Sternen zweimal nur einen Stern und einmal zwei Sterne. Die Kundin fragt sich nun: «Ist diese Backfolie jetzt umweltfreundlich oder gerade das Gegenteil davon?».
Labels haben einen unterschiedlichen Hintergrund
SRF hakt bei der Migros nach. Antwort: Das «Eco-Friendly»-Label und der «M-Check» würden unterschiedliche Ansätze verfolgen und verschiedene Dimensionen der Nachhaltigkeit messen, erklärt Migros-Sprecher Tobias Ochsenbein.
«Eco Friendly» kennzeichne Produkte, die nachhaltiger seien als ähnliche Produkte auf dem Markt, so der Sprecher: «Im Fall dieser Dauerbackfolie liegt der Fokus auf der Mehrwegnutzung. Das heisst, sie ist eine gute Alternative zum Einweg-Backpapier.»
Der «M-Check» bewertet und vergleicht Produkte aus dem Migros-Sortiment. Die Backfolie habe eine schlechtere Klimabilanz – von der Herstellung über den Transport bis zur Verpackung. Und: «Sie ist nicht vollständig rezyklierbar, weil sie beschichtet ist.» Die Backunterlage besteht aus PTFE (Teflon-Kunststoff) und Fiberglas (Glasfasern). Am Ende ihrer Lebensdauer gehört sie in den Hauskehricht.
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Bild 1 von 2. Die Dauerbackfolie trägt die «Eco Friendly»-Blume... Bildquelle: zvg.
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Bild 2 von 2. ... und schneidet im «M-Check» sehr schlecht ab. Bildquelle: zvg.
Angesichts des Materials hat jene Migros-Kundin auch Bedenken. Sie möchte die Folie für eine Cake-Form zuschneiden und fragt sich: «Gelangen umweltschädliche Stoffe in die Umwelt ?» Antwort des Migros-Sprechers: «Diese Folie ist sicher für den Lebensmittelkontakt geeignet. Und es ist auch nicht gesundheitsschädlich, wenn man sie auf eine kleinere Grösse zuschneidet.» Aber man empfehle, die Verpackungshinweise zu lesen. In diesem Fall darf man zum Beispiel den Ofen nicht über 250 Grad aufheizen.
Die Kundinnen und Kunden können selbst entscheiden, was ihnen wichtiger ist.
Was bleibt, ist der Widerspruch. Soll man dieses Produkt nun kaufen, wenn einem die Umwelt wichtig ist – oder doch besser nicht? Der Entscheid liege bei der Kundin oder beim Kunden, so Migros-Sprecher Ochsenbein. «Eco Friendly» biete eine schnelle Orientierung zu bestimmten nachhaltigen Eigenschaften, während der «M-Check» detailliert verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit bewerte. «Die Kundinnen und Kunden können nun selbst entscheiden, was ihnen wichtiger ist.» Er erwähnt auch, die Migros nehme solche Inputs ernst und prüfe Verpackungsanschriften immer wieder, um sie allenfalls besser und verständlicher zu machen.
Bleibt die Frage, weshalb es beide Labels auf der selben Verpackung braucht und das Fazit: Wem die Umwelt wirklich am Herzen liegt, orientiert sich wohl eher am «M-Check».