Fast täglich kommen Phishing-E-Mails, angeblich im Namen der Post, SBB oder einer Bank. Manchmal wirken sie mit Logos täuschend echt, manchmal ist der Betrug sofort erkennbar. Das Ziel ist immer dasselbe: Dass wir auf Links klicken und unsere Kontoangaben oder solche der Kreditkarte hinterlassen, um dann abgezockt zu werden.
Um den Tätern das Leben schwer zu machen, haben Banken und Polizei zusammen eine Präventionskampagne gestartet: Die Fischerin Linda soll helfen, nicht ins Netz der Betrügerinnen zu geraten: «Unser Ziel ist es, die fünf wichtigsten Verhaltensbotschaften kompakt und einprägsam der Bevölkerung zu übermitteln. Mit dem Namen Linda funktioniert das gut, jeder Buchstabe steht für einen Merksatz», erklärt Pascal Simmen, Chef Prävention bei der Kantonspolizei Schwyz.
L I N D A = fünf Tipps
Wie früher «Gabi» im Nothelferkurs, dienen die fünf Buchstaben von Linda als Eselsbrücke, um mit Debit- oder Kreditkarten und Phishing-Emails richtig umzugehen. Ausbuchstabiert erinnert uns der Frauenname daran:
- L = Links und Anhänge misstrauen, nicht einfach draufklicken
- I = Inhalt kritisch prüfen
- N = Neutrale Anrede anzweifeln - zum Beispiel eine neutrale Formulierung wie «Liebe Frau/Lieber Herr»
- D = Dringlichkeit hinterfragen, sich nicht stressen lassen
- A = Absender überprüfen
Gewohnheit macht unvorsichtig
Weil es immer mehr digitale Zahlungsmöglichkeiten gibt, nimmt auch das Risiko zu, Opfer eines Betrugs zu werden. Und das kann allen passieren. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts gfs-Bern macht deutlich: Egal, ob alt oder jung, arm oder reich, alle können auf Phishing-E-Mails reinfallen. Gemäss Umfrage sind es insbesondere Menschen, die häufig online einkaufen. Sie sind tendenziell weniger vorsichtig als jene, die das nur ab und zu machen.
«Die technische Infrastruktur im Bereich der Kartenzahlung ist so sicher wie noch nie», gibt Pascal Simmen von der Kantonspolizei zu bedenken. «In den allermeisten Fällen von Phishing-Betrug ist es der Faktor Mensch, wo mit raffinierten Methoden getäuscht wird.»
Fallzahlen steigen weiter
Fischerin Linda ist aktuell zum zweiten Mal im Einsatz. Bereits letztes Jahr hatten Banken und Polizei eine Präventionskampagne mit ihr durchgeführt. Hat es also nichts gebracht, dass sie jetzt wieder auf Plakaten in der S-Bahn oder im TV-Spot zu sehen ist? «Die Fallzahlen im Bereich Phishing steigen leider tatsächlich nach wie vor. Aber nicht mehr so stark wie die Jahre zuvor», weiss Pascal Simmen.
Konkret: Gemäss der polizeilichen Kriminalstatistik 2025 stiegen die Phishing-Fälle im Vergleich zum Vorjahr um knapp 25 Prozent an. Im Jahr zuvor lag die Zunahme bei rund 56 Prozent. «Umso wichtiger ist es, mit der Kampagne Linda im zweiten Jahr nachzudoppeln», ergänzt Polizist Simmen. Er ist als Vorstandsmitglied beim Verein Card Security dabei. Dieser hat die Kampagne lanciert und gibt auf seiner Webseite weitere Tipps, wie man Phishing und andere Betrugsarten vermeiden oder im Fall der Fälle richtig reagieren kann.