Zum Inhalt springen

Header

Audio
Dritte Säule: Die Tücken eines Auszahlungsplans
Aus Espresso vom 10.05.2021.
abspielen. Laufzeit 07:56 Minuten.
Inhalt

Pensionierungsplanung Investitionen in die dritte Säule wollen gut überlegt sein

Ein Mann unterzeichnet kurz vor der Pensionierung einen Auszahlungsplan für seine dritte Säule. Nun bereut er es.

Jahrelang hat ein 65-Jähriger vorbildlich bei der Helvetia-Versicherung in die 3. Säule eingezahlt. Einige Monate vor der Pensionierung schlugen ihm Versicherungsvertreter einen Auszahlungsplan vor. Der Mann unterschrieb und investierte 145'000 Franken. Kurz nach der Pensionierung stellt er fest: Das war ein Fehler.

Die erste Rate erhält der Rentner erst im Jahr 2030, also zehn Jahre nach der Pensionierung. Als minimale Auszahlung sind ihm insgesamt nur knapp 120'000 Franken garantiert. Ein hoher Verlust ist also möglich. Gewinn – oder zumindest gleich viel, wie er investiert hat – gibt es nur, wenn eine Investition in Aktien eine Rendite abwirft. Das sei ihm bei der Beratung nicht bewusst geworden, sagt er.

«Ich hätte nicht unterschreiben sollen»

Er habe sich im Beratungsgespräch von Beispielrechnungen mit grossartigen Renditen blenden lassen sowie von der Aussicht auf Steuervorteile, sagt der Mann. Er räumt dabei auch Fehler ein: «Ich hätte den Vertrag nicht gleich unterschreiben und genauer durchlesen sollen.» Denn eigentlich wäre alles im Dokument gestanden.

Eine nachträgliche Auflösung des Vertrags bringt ihm nichts. Er würde so auch 20'000 bis 25'000 Franken verlieren. Mit weiteren Alternativen, die die Helvetia ihm vorgeschlagen hat, ist er ebenfalls unzufrieden. Mit jeder verliere er noch mehr, als mit dem unterzeichneten Vertrag.

Böse Überraschungen bei der Pensionierungsplanung vermeiden

Box aufklappenBox zuklappen
  • Gehen Sie die Pensionierungsplanung frühzeitig an. Am besten mit 50 Jahren, spätestens aber mit 60 Jahren. So können Sie allfällige finanzielle Lücken im Alter erkennen und die Situation im Hinblick auf die Zeit nach der Pensionierung allenfalls noch verbessern.
  • Es kann sich lohnen für eine Vorsorgeberatung bei der Bank oder einem unabhängigen Beratungsinstitut Geld in die Hand zu nehmen. Auch wenn die Beratung einige Hundert oder gar Tausend kostet, kann sich diese Investition am Ende auszahlen.
  • Wenn klar ist, wie sie ihre Vorsorgegelder investieren könnten, vergleichen Sie Angebote von verschiedenen Anbietern.
  • Unterschreiben Sie keinen Vorsorge- oder Investitions-Vertrag voreilig. Nehmen Sie sich immer einige Tage oder sogar Wochen Bedenkzeit. Lesen Sie den Vertrag in Ruhe durch, stellen Sie Fragen, lassen Sie sich Dinge nochmals erklären und beraten Sie sich mit Vertrauenspersonen aus ihrem persönlichen Umfeld.
  • Bleiben Sie skeptisch gegenüber schönen Rendite-Beispielen für Investitionen in die dritte Säule, bzw. mit Auszahlungen aus der dritten Säule. Überlegen Sie, ob Sie auch mit der schlechtesten Variante (z.B. einem garantierten Minimalbetrag) zufrieden wären, was häufig ein Verlust bedeutet.
  • Lassen Sie sich sämtliche zu erwartenden Kosten und Gebühren genau aufzeigen und schriftlich festhalten.
  • Überlegen Sie sich auch, ob Sie es sich leisten können, dass Sie je nach Investition über das angelegte Geld jahrelang nicht mehr frei verfügen können. Eine Vertragsauflösung kann teuer werden.
  • Sparen Sie in der dritten Säule auf mehreren Konten. So können sie die Ersparnisse gestaffelt beziehen und Steuern sparen.

Zum Vorwurf des Mannes, dass der Auszahlungsvertrag sein Geld blockiere und ihm vermutlich einen Verlust bringe, sagt die Helvetia einerseits: «Wie in den Unterlagen dargestellt, besteht die Möglichkeit, dass Herr F. am Ende mehr ausbezahlt bekommt, als er einbezahlt hat. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dies nicht der Fall sein wird.» Die Renditen aus den Beispielrechnungen seien realistisch, was vom SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» angefragte Vorsorgeexperten allerdings infrage stellen.

Andererseits schreibt die Versicherung, dass mit dem Ehepaar eine «umfassende Pensionsplanung» gemacht worden sei. Diese zeige eine Einkommenslücke ab 2030. Deshalb habe die Helvetia eine Auszahlung ab diesem Zeitpunkt vorgeschlagen und das Paar habe eingewilligt. Der Mann habe den Vertrag aus freien Stücken und gut dokumentiert unterzeichnet.

Espresso, 10.05.2021, 08:13 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Benedikt Bauernberger  (Benedikt Bauernberger)
    Pensionisten mit "vertrauenwürdigen" Beratern in Vertragsfallen locken. Das ist unter jedem Niveau und der schwärzeste Auswuchs des Kapitalismus.
    Ein Gericht müsste hier den Vertrag als ungültig erklären und die Versicherung sollte hart bestraft werden. Aber bedtraft wird in der Schweiz stets das Volk und all zu selten die Finanzriesen!
    Eine Schande!
  • Kommentar von Roger Gasser  (allesrotscher)
    Teil 2: Wenn der Kunde sieht dass der Berater zu seinem Vorschlag steht und ihn ein zweites, evtl. drittes mal verständlich macht dann steigt auch das Verstehen und das Vertrauen beim Kunden. Sollte im Jahre 2030 Verlust da sein wäre immer noch nichts verloren, nach schlechten Jahren kommen gute!! Und dann fangen ja die Auszahlungen erst an. Das noch vorhandene Kapital wird aber weiterhin Rendite erzielen.
    Wenn der Kunde dabei bleibt wird er sich freuen können!
  • Kommentar von Thilo Arlt  (QM)
    Der Fehler liegt auch im System: Da man die dritte Säule von der Steuer abziehen kann, fördert man immer Banken und Versicherungen. Besser wäre es die erste Säule zu stärken.