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Lymphknoten betroffen Tattoofarben können das Immunsystem schwächen

Tätowieren ist keine simple kosmetische Behandlung. Eine Studie warnt vor potenziellen Folgen für die Gesundheit.

Für aufwendige Tattoos braucht es mehrere Behandlungstermine und jede Menge Farben. Die Tinten unterliegen europäischen Standards. Sie sollen garantieren, dass die Farben keine verbotenen Bestandteile enthalten, wie beispielsweise Quecksilber. Für die Sicherheit der Tätowierfarben sind die Hersteller verantwortlich.

Kantonschemiker überprüfen die Sicherheit

Die aktuell rund 1000 Schweizer Tattoo-Studios werden alle vier Jahre von den Kantonschemikern kontrolliert. Dabei liegt das Augenmerk auf den Farben: Die Farbpigmente der Tinten sind die gleichen, wie sie auch die Kunststoffindustrie verwendet, erklärt der Basler Kantonschemiker Yves Parrat: «Das ist ein Problem, weil diese Pigmente oft Verunreinigungen enthalten. Diese Verunreinigungen können für Probleme bei den Tätowierfarben sorgen.»

Tattoofarben wandern zu den Lymphknoten

Dass Tattoofarben die Gesundheit gefährden können, ist schon länger bekannt. Eine neue Studie des biomedizinischen Instituts in Bellinzona zeigt nun, dass Tattoofarben nicht in der Haut bleiben, sondern migrieren. Die Versuche an tätowierten Mäusen zeigen: Tattoo-Tinten können das Immunsystem schwächen.

REACH-Verordnung der EU

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Tätowierfarben unterstehen in der Schweiz seit 2025 den sogenannten REACH-Vorschriften der EU. Die REACH-Verordnung regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Aber auch konforme Tinten sind möglicherweise nicht ungefährlich.

Eine zentrale Rolle würden dabei die Lymphknoten spielen, erklärt Forschungsleiter Santiago Gonzalez: «Die Tinten wandern zu anderen Organen und reichern sich in den Lymphknoten an. Mit potenziellen Folgen für die Gesundheit von Menschen mit Tattoos.» Es ist das erste Mal, dass eine Studie den direkten Zusammenhang zwischen Tinten und den Folgen für den Körper zeigt. Weitere Forschung ist nötig, um dies zu bestätigen.

Abwehrzellen auf verlorenem Posten

Die Tinte bleibt also nicht nur in der tätowierten Haut. Winzige Farbpartikel wandern über die Lymphgefässe durch den Körper und sammeln sich in den Lymphknoten an – sie sind Teil des Immunsystems. Spezielle Abwehrzellen, die Makrophagen, kämpfen gegen die körperfremden Stoffe. Laut der Studie des Tessiner Institutes sterben die Makrophagen ab, während sie versuchen, gegen die Tinte anzukämpfen. Mögliche Folgen: Entzündungen und langfristig eine Schwächung des Immunsystems.

«Kassensturz» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Professor Marc Righini vom Genfer Universitätsspital nimmt die Studie sehr ernst. Wenn die Tattoofarben in den Lymphknoten nicht abgebaut werden können, bedeute das, «dass die chronische Entzündung zu einer Schwächung der Lymphknoten führt, und uns – das muss noch bestätigt werden – weniger gut vor Infektionen schützen». Eine schwächere Immunantwort gehe mit einem höheren Krebs- und Infektionsrisiko einher, sagt Marc Righini.

Tattoo-Verband verweist auf andere Studien

Andreas Gally, Vorstandsmitglied beim Tattoo-Verband VST, zweifelt die Studie an: «Es gibt Studien, die das Gegenteil besagen: dass das Immunsystem nach dem Tätowieren gestärkt werde.» Grosse Studien würden keine Häufung von Haut- oder Lymphdrüsenkrebs bei tätowierten Leuten zeigen. Zudem seien Ergebnisse aus Versuchen an Mäusen nicht direkt auf den Menschen übertragbar, findet Andreas Gally.

Tattoo-Entfernung löst das Problem nicht

Tattoos lassen sich per Laser wieder entfernen. Das löse das Problem nicht, sagt Professor Santiago Gonzalez: «Die Tinte wird zwar aus den Hautschichten entfernt. Die Farbe in den Lymphknoten bleibt aber dort. Die Botschaft ist also wichtig: dass man beim Tätowieren auch seine Lymphknoten tätowiert.»

Kassensturz, 23.03.26, 21:10 Uhr

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