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Prämienparadies Appenzell, ungesund teures Tessin
Aus Kassensturz vom 27.09.2022.
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Steigende Prämien Gesundheitskosten: im Tessin hoch, in Appenzell Innerrhoden tief

Die Gesundheitskosten steigen stetig. Besonders hoch sind sie im Kanton Tessin, niedrig im Kanton AI. Die Gründe sind vielschichtig.

Rund 16’400 Einwohnerinnen und Einwohner leben im Kanton Appenzell Innerrhoden. Ihre Krankenkassenprämien sind vergleichsweise tief: ein Erwachsener bezahlt im Durchschnitt 259 Franken pro Monat, während er im Kanton Tessin 424 Franken bezahlt.

Bei einer Strassenumfrage in Appenzell wird insbesondere ein möglicher Grund genannt: «Der Appenzeller geht nur zum Arzt, wenn es unumgänglich ist.» Eine andere Einwohnerin erklärt: «zuerst versuchen wir es immer mit einem Hausmittelchen.»

Es gibt verschiedene Gründe für die tiefen Gesundheitskosten. Das eine ist sicherlich die Mentalität.
Autor: Monika Rüegg Bless Vorsteherin des Gesundheitsdepartements AI

Doch sind nur deshalb die Gesundheitskosten tiefer?  Monika Rüegg Bless, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements AI, erklärt: «Es gibt verschiedene Gründe für die tiefen Gesundheitskosten. Das eine ist sicherlich die Mentalität. Und bei uns steht das soziale Netz im Mittelpunkt. Familie, Verwandte und gute Beratungsangebote. Es gibt eine Mütter- und Väterberatung, und es gibt die Apotheken und Drogerien, die hervorragende Naturheilmittel kennen.»

Naturheilmittel belasten Gesundheitssystem weniger

Beispielsweise in der Löwendrogerie. «Wir haben hier eine Salbe auf Ziegenbutterbasis gegen Gelenkschmerzen, die Salbe wärmt und lockert die Muskulatur», erklärt Inhaber Peter Stark. Seit 1926 gehen die Appenzellerinnen und Appenzeller in diese Drogerie, um sich beraten zu lassen.

«Einigen können wir helfen, anderen sagen wir, dass es nicht möglich ist. Diejenigen, denen wir helfen können, belasten die Kosten des Gesundheitssystems nicht», sagt Peter Stark. Ein weiterer Grund für die tiefen Gesundheitskosten in Appenzell Innerrhoden: ein Überangebot an Gesundheitseinrichtungen gibt es laut Monika Rüegg Bless nicht.

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Monika Rüegg Bless, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements AI: «Wir haben kein medizinisches Überangebot, das die Kosten in die Höhe treiben kann»
Aus Kassensturz vom 27.09.2022.
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So wurde im letzten Jahr das einzige Spital des Kantons geschlossen, es war zu wenig ausgelastet. «Wir haben eher das Problem, genug Fachkräfte im Gesundheitswesen zu finden. Deshalb stellt sich die Problematik der Kostengenerierung durch ein Überangebot nicht.»

Tessin: Mehr Arztneimittel und Physiotherapie-Kosten

Im Kanton Tessin werden oft Arzneimittel abgegeben – das ist einer der Kostentreiber. Die durchschnittlichen jährlichen Arzneimittelkosten pro Versicherten betragen 908 Franken. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 756 Franken. Im Kanton Appenzell Innerrhoden sind es 449 Franken. Aber nicht nur die Medikamente treiben die Kosten in die Höhe.

Menschen mit Gehstöcken, Rollatoren und Rollstühlen.
Legende: Die Bevölkerung des Kantons Tessin hat das höchste Durchschnittsalter der Schweiz (45.92). SRF

Auch in Sachen Physiotherapie-Kosten ist der Kanton Tessin nationaler Spitzenreiter. Die durchschnittlichen jährlichen Physiotherapiekosten pro Versicherten betragen im Tessin 227 Franken, im Schweizer Durchschnitt 149 Franken, im Kanton Appenzell Innerrhoden sind es nur 74 Franken.

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Ein weiterer Grund für die hohen Kosten: Viele Menschen im Tessin sind älter: die Bevölkerung des Kantons Tessin hat das höchste Durchschnittsalter der Schweiz. Somit dürfte klar sein: Das Tessin wird wohl kaum je die Gesundheitskosten auf das Niveau von Appenzell Innerrhoden bringen.

Kassensturz, 27.09.22, 21:05 Uhr

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