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Mit der Giftkeule gegen den Borkenkäfer
Aus Espresso vom 12.04.2019.
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Insektizid-Einsatz Mit der Giftkeule gegen den Borkenkäfer

Das Wichtigste in Kürze

  • 22 von 25 kantonale Waldbeauftragte geben an, im letzten Jahr mit Ausnahmebewilligungen Insektizide auf ungeschältes, geschlagenes Holz gespritzt zu haben. Dies, um den Borkenkäfer fernzuhalten.
  • Die Organisation Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz ist alarmiert: «Wenn die Ausnahme zur Regel wird, ist das sehr bedenklich.» Auch FSC-zertifiziertes Holz ist betroffen.
  • Die Umweltorganisation fordert deshalb ein komplettes Verbot von Insektiziden im Wald.

Im Wald flanieren, mit Kindern auf den Holzbeigen balancieren oder gerade jetzt im Frühling dem Duft des Bärlauchs folgen und die Blätter pflücken. Die aktuellen Informationen aus dem Schweizer Wald trüben allerdings die idyllischen Bilder. Weil im Schweizer Wald viel geschlagenes Holz lagert und der Borkenkäfer letzten Sommer beste Bedingungen hatte, griffen die Förster in 22 Kantonen zu Insektiziden, welche sie auf geschlagene Hölzer sprühten.

Die Insektizide stehen im Verdacht, hormonaktiv und krebserregend zu sein.
Autor: Martin ForterGeschäftsführer der Ärzte für Umweltschutz

Ein Verbot mit Ausnahmen

Im Schweizer Waldgesetz steht es deutlich geschrieben: «Im Wald dürfen keine umweltgefährdenden Stoffe verwendet werden.» Es steht aber auch, dass es Ausnahmen geben kann. Und von solchen Ausnahmebewilligungen haben im letzten Jahr fast alle Kantone Gebrauch gemacht. Sie spritzten nach Angaben der Umweltschutzorganisation die giftigen Insektenmittel der Cypermethrine. Martin Forter ist Geschäftsführer der Ärzte für Umweltschutz: «Diese Insektizide sind starke Fisch- und Bienengifte, sie stellen eine Gefahr für die Umwelt dar. Sie stehen im Verdacht, hormonaktiv und krebserregend zu sein.» Cypermethrine sind allerdings vom Bund zugelassen. Einzelne Kantone hätten aber auch angegeben, andere Insektizide zu benützen, welche offiziell verboten seien.

Auch FSC-Holz betroffen

Mehr als die Hälfte der Schweizer Waldfläche ist mit dem Label FSC zertifiziert. FSC steht für nachhaltig und umweltgerecht. Und eigentlich ist der Einsatz von Pestiziden verboten. Danke einer Ausnahmebewilligung für fünf Jahre aber sei es den Waldbewirtschaftern möglich gewesen, Insektizide gegen den Borkenkäfer einzusetzen.

«Ich finde das auch schwierig», sagt Hubertus Schmidtke, Geschäftsführer von FSC Schweiz. «Es gibt für die Schweiz eine Ausnahmeregelung, aufgrund der engen Verhältnisse und der Forstwirtschaft, welche es nicht fertigbringt, das Holz rechtzeitig aus dem Wald zu bringen.» Weil der Wald als Holzlager herhalten muss, komme es nämlich erst dazu, dass der Borkenkäfer auf das geschlagene Holz übergreifen kann. Schmidtke ergänzt gegenüber «Espresso»: «Die Ausnahmebewilligung läuft im August aus. Es ist nicht wahrscheinlich, dass sie noch einmal erteilt wird.»

Ein Kanton macht’s vor: Glarus braucht keine Insektizide

Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz halten in ihrem Bericht fest, dass es einem einzigen Kanton gelingt, seit fünf Jahren das Holz rechtzeitig aus dem Wald zu bringen. Der Kanton Glarus habe deshalb in den letzten fünf Jahren keine Pestizide einsetzen müssen. Martin Forter von Ärzte für Umweltschutz betont: «Das zeigt: Wenn man will, dann geht es auch ohne Gift.» Sogar letztes Jahr sei es gelungen, trotz Sturm Burglinde im Januar und einem heissen Sommer, welcher ideal ist für den Borkenkäfer. Die Umweltorganisation fordere deshalb ein komplettes Verbot von Insektiziden im Wald.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Was stimmt nun wohl effektiv betreffend "Gesundheit" der Schweizer Wälder? Eines ist gewiss: mit immer noch mehr CHEMIE, erholt sich die - durch ua viel CHEMIE (industrialisierte LW)- geschädigte/angeschlagene Natur ("Ökosystem - Umwelt") nicht! Da gehören die lebenswichtigen, da Sauerstoff produzierenden Wälder mit dazu! Umsichtiger, verantwortungsbewusster, chemiefreier Umgang, ist eminent wichtig!
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Zu den wichtigsten natürl.Feinden des Borkenkäfers nebst Vögeln wie Spechte, Meisen etc, gehört der Ameisenbuntkäfer, vorab er wird mitvergiftet. Ihnen ua Nützlingen zerstört man laufend die Lebensräume. Geholzt wird hier seit Jahren von Firmen ohne Bezug zum betreff.Waldstück. Im Winter wird morgens um 5, wenn Waldbewohner schlafen, ruchlos mit Mordsmaschinen+Scheinwerfern eine Fläche abrasiert, samt Höhlen, Fledermäusen usf, am Waldrand für Mte gestapelt u.darauf samt Leben darin geschreddert.
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  • Kommentar von Dominique Dörflinger  (SentioErgoSum)
    Es scheint mir, dass schlicht nicht genügend Förster vorhanden sind, um dieses Problem richtig anzugehen.
    Wir sollten erkennen, dass wirklicher Naturschutz, welcher über mehrere Generationen unentbehrlich ist, nun Mal mit Kosten verbunden ist und nicht immer wirtschaftlich profitabel.
    Jedoch genau da sollten wir nicht sparen, um grössere und langfristige Schäden zu vermeiden.
    Unsere Vorfahren haben uns ein intaktes Ökosystem überlassen, was tun wir?
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