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Mietrecht Schimmel: Kann ich auf die Mietzinsreduktion bestehen?

Rahel Zoller entdeckt in ihrer Wohnung Schimmelflecken. Experten finden heraus, dass Baumängel Schuld an der übermässigen Feuchtigkeit sind. Obwohl Mieter in solchen Fällen Anspruch auf eine Mietzinsreduktion haben, winkt der Vermieter ab. Rahel Zoller kann die Schlichtungsbehörde einschalten.

Die Wand hinter einem Fenster ist stark verschimmelt.
Legende: In feuchten Wohnung kann sich Schimmelpilz ausbreiten Colourbox

«Espresso»-Hörerin Rahel Zoller ist im Sommer umgezogen. Doch schon nach wenigen Wochen macht sich Schimmel in der Wohnung bemerkbar. Rahel Zoller reklamiert bei ihrer Verwaltung. Zwei Experten untersuchen die Wohnung. Rasch wird klar, dass Baumängel für die hohe Luftfeuchtigkeit verantwortlich sind. Ohne Entfeuchtungsgerät ist die Wohnung nicht bewohnbar.

Nicht immer kommt Schimmel vom zu wenig Lüften

Rahel Zoller verlangt eine Mietzinsreduktion von 200 Franken pro Monat. Doch der Hauseigentümer winkt ab. Für Rahel Zoller eine unverständliche Reaktion. «Was kann ich jetzt noch tun und wie muss ich vorgehen?», möchte sie von «Espresso» wissen.

Feuchtigkeitsschäden wie Schimmel oder Kondenswasser können je nach Schwere Grund für eine Mietzinsreduktion sein. Unter der Voraussetzung, dass der Mieter die Schäden nicht selber verursacht hat. Bildet sich an Fensterrahmen, im Badezimmer oder in Gebäudeecken Schimmelpilz, so ist vermutlich ungenügendes Lüften die Ursache. Punkt- oder linienförmige Pilzspuren dagegen sind ein Hinweis auf einen Baumangel.

Bei Baumängeln gibt es eine Mietzinsreduktion

Im Beispiel von «Espresso»-Hörerin Rahel Zoller haben Experten bereits einen Baumangel festgestellt und ihr ein Entfeuchtungsgerät empfohlen. In solchen Situationen haben Mieterinnen und Mieter Anspruch auf eine Mietzinsreduktion. Wie hoch diese ausfällt, ist gesetzlich nicht geregelt. Fleckige Wände, schlechter Geruch, Abblättern von Tapeten und Farbe können – je nach ihrer Ausdehnung - eine Herabsetzung von 5 bis 30% des Nettomietzinses nach sich ziehen. In besonders gravierenden Fällen können Mieterinnen und Mieter den Vertrag sogar vorzeitig auflösen.

Schimmel fotografieren und sofort dem Vermieter melden

Betroffene wie Rahel Zoller sollten einen Feuchtigkeitsschaden unverzüglich dem Vermieter melden. Aus Beweisgründen ist es ratsam, die befallenen Stellen zu fotografieren und die Raumtemperatur zu protokollieren (weitere Tipps siehe Box). Kann der Vermieter den Mangel nicht oder nicht innert nützlicher Frist beheben, so haben Mieterinnen und Mieter Anspruch auf eine Mietzinsreduktion.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Verwaltungen auf die Reklamationen ihrer Mieter nicht reagieren oder die Behebung der Mängel auf die lange Bank schieben. In diesem Fall können Mieterinnen und Mieter den Mietzins bei der Schlichtungsbehörde hinterlegen. Im Verfahren wird die Schlichtungsbehörde auch über die Mietzinsreduktion befinden. Wie Sie vorgehen, lesen Sie im nebenstehenden Artikel (siehe Box).

Vermieter muss Stromkosten und beschädigte Möbel ersetzen

Werden durch übermässige Feuchtigkeit Möbel beschädigt, so muss ein Vermieter für den Schaden aufkommen. Ebenso für die Anschaffung eines Entfeuchters und die damit verbundenen zusätzlichen Stromkosten. Eine Ausnahme besteht bei Kellerräumen: Wer dort etwas abstellt, muss mit Feuchtigkeit rechnen – vor allem in älteren Gebäuden.

Alle Rechtsfragen

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Die Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner beantwortet jeden Donnerstag in «Espresso» eine Rechtsfrage. Hier geht es zu den bisherigen Antworten.
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7 Kommentare

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  • Kommentar von Janine M., Zürich
    Mein Freund & ich haben dieses Wochenende Schimmel im Schlafzimmer entdeckt. Die ganze Wand hinter dem Schrank ist voll. Vom zu wenig lüften kann es nicht kommen, mein Freund reisst die Fenster jeden Tag am Morgen und am Abend auf, auch die Heizung läuft bei uns nie im Schlafzimmer.Der Vermieter meinte, er bezahle den Maler jetzt EINMAL,falls es wieder passiert,müssen wir zahlen.Den Schrank sollen wir nicht mehr an diese Aussenwand stellen.
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    1. Antwort von Hans Moser, Frauenfeld
      Sehr geehrte Damen und Herren, bei all den Problemen mit Schimmelpilz oder Kondensat in den Wohn-räumen sollten eben die bauphysikalischen Regeln (z.B. den Normen)berücksichtigt werden. Leider sind die Berater, welche bis jetzt tätig gewesen sind auf den hier fraglichen Portalen eher in rechtlicher Hinsicht geschult, deshalb kennen sie die bauphysikalischen Regeln sowie den Regeln der Baukunde nicht. Wissen wäre aber ein Holschuld. Mit freundlichen Grüssen H. Moser
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Wenn die Vermieter überall einlenken, kommen die Mieter mit immer mehr Forderungen. Sie haben eh schon den Mieterschutz hinter sich. Der Vermieter ist immer der blöde Reiche. im konkreten Fall müsste die Ursache genau untersucht werden. Eventuell kann mangelhafte Belüftung die Ursache sein, Die Nasszellen und die Küche sind da besonders gefährdet. Der Vermieter soll sich auf jeden Fall wehren,.
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    1. Antwort von M. Tschanz, Thun
      Dass Nasszellen und Küche besonder gefährdet sind ist nur logisch - wir haben dafür die Erfahrung gemacht, dass Mietwohnungen per Schnellbleiche wieder flott gemacht werden und Schimmelprobleme nur "überdeckt" werden. Bald darauf folgt das Standard-Sprüchlein: "Sie lüften falsch". Glücklicherweise verstehen wir mehr von der Materie als die meisten Verwalter und sind dadurch nie auf diese standardisierte Masche reingefallen.
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  • Kommentar von Werner Bechtel, Bülach
    Mir wird erzählt Schimmel. Ich frage wie Lüften Sie? Meistens stellt sich heraus dass falsch gelüftet wird, besonders Anfällig gut Isolierte Wohnungen. Richtig Lüften heisst: 2 - 4 x Täglich Wohnung Querlüften 5 Minuten alle Fenster offen. Vorteilhaft dies nach dem Duschen oder Kochen. Zwischendurch Fenster zu, keine schräggestellten Fenster. Möbel an Aussenwänden 5 cm Abstand. Ich spare viel Heizkosten, und habe ein gesundes Klima in der Wohnung, und vor allem habe ich kein Schimmel.
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    1. Antwort von Mariella Graf, Bern
      Es gibt sicher beide Seiten, Mieter die nicht wissen wie man richtig lüftet, aber auch Vermieter, welche die Unwissenheit der Mieter (bezüglich deren Rechte) ausnützen und zu faul oder geizig sind um Mängel zu beheben. Manche Vermieter/Mitarbeiter von Verwaltungen sind einfach zu schlecht geschult und geben den Mietern falsche Informationen (oder veranlassen Isolationen von Fenstern ohne den Mieter darauf hinzuweisen, dass nun besonders gut gelüftet werden muss).
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    2. Antwort von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
      @ W.Bechtel: Guter Mann, jemand muss es Ihnen auch sagen, es kommt auch darauf an wie alt das die Gebäude sind, oder ist es bei Ihnen so das Sie immer die neusten Wohnungen vermieten und die alten abstossen.
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