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So müssen Fitnessstudios Kunden nach dem Lockdown entschädigen
Aus Espresso vom 29.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Vier häufige Reklamationen So müssen Fitnessstudios Kunden nach dem Lockdown entschädigen

Endlich dürfen wir wieder ins Fitnessstudio. Doch die Freude vieler Kundinnen und Kunden über die neu gewonnene Bewegungsfreiheit ist getrübt: Manche Studios weigern sich, die Abos zu verlängern, andere schränken ihre Angebote ohne Entschädigung ein. «Espresso» sagt, was rechtlich gilt.

Derzeit wenden sich viele frustrierte Kundinnen und Kunden von Fitnessstudios an die Redaktion «Espresso». Lesen Sie hier die vier häufigsten Reklamationen und was rechtlich in solchen Fällen gilt.

  • Das Studio will die Zeit während der Schliessung nicht gutschreiben! Das ist unzulässig. Während des Lockdowns mussten alle Fitnessstudios geschlossen bleiben. In dieser Zeit konnten sie die vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbringen. Auch wenn die Anbieter an dieser Situation kein Verschulden trifft: Kundinnen und Kunden müssen nicht für eine Leistung bezahlen, die sie nicht bekommen haben. Das Risiko einer pandemiebedingten Schliessung gehört zum Risikobereich des Anbieters. Die Studios müssen ihre Kundinnen und Kunden für die Zeit der Schliessung entschädigen oder ihre Abonnemente entsprechend verlängern.
  • Das Studio will die Zeit während der Schliessung erst auf einem neuen Vertrag anrechnen! Auch das ist nicht zulässig. Kundinnen und Kunden haben mindestens Anspruch darauf, dass ihr Vertrag um die Zeit des Betriebsunterbruchs verlängert wird. In Ausnahmefällen können Betroffene in dieser Situation eine Verlängerung ablehnen und eine anteilmässige Rückzahlung verlangen. Dies betrifft Fälle, in denen den Kunden eine Verlängerung nicht zugemutet werden kann. Zum Beispiel, weil das Angebot vorübergehend eingeschränkt ist.

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  • Nach der Wiederöffnung gibt es weniger Leistung! Die Bestimmungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) schreiben den Studios vor, unter welchen Bedingungen sie Trainings anbieten dürfen. Bei Gruppenkursen ist nur eine begrenzte Personenzahl zugelassen, es gilt Maskenpflicht, die Abstände zwischen den Geräten führen zu Wartezeiten, oder Bereiche des Studios bleiben noch immer ganz geschlossen. Ob Kundinnen und Kunden in dieser Situation eine anteilmässige Rückerstattung verlangen können, kommt auf die konkreten Umstände und auf die konkreten Vertragsbestimmungen an. Hat jemand seine Mitgliedschaft fast ausschliesslich beispielsweise für die Nutzung des Spa-Bereiches oder eines Gruppenkurses gelöst, kann er eine Verlängerung oder Rückerstattung erwarten, wenn der Spa weiterhin geschlossen bleibt und die Person den Gruppenkurs nicht regelmässig besuchen kann. Bietet das Studio aber annehmbare Alternativen an, hätte eine Klage auf Rückerstattung oder Auflösung des Vertrages vor einem Gericht einen schweren Stand.
  • Das Studio bieten keine Sonderbehandlung für Risikopatientinnen! Viele Risikopatientinnen oder Personen, die noch nicht geimpft sind, wagen sich zurzeit noch nicht ins Fitness. Die Ängste sind verständlich. Rechtlich gesehen haben solche Personen aber keinen Anspruch auf eine Rückerstattung oder eine Verlängerung des Abos. Eine kürzliche Umfrage von «Espresso» zeigt jedoch, dass viele Studios ihren Kundinnen und Kunden entgegenkommen. Manche verlangen dafür allerdings ein Arztzeugnis.

Espresso, 29.04.2021, 08:13 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp Bach  (Stronger)
    Bei einer nicht verschuldeten Vertragsstöhrung gibt es keine Schadenersatzpflicht. Alle gehen immer von der Verschuldeten Vertragsstöhrung aus. Sonnst müssten alle Vermieter von Gewerberäumen und Restaurants auch Schadenersatzzahlungen tätigen. Denn ein Fitnessabo ist Mietcharakteristischer Natur.
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    1. Antwort von Luvy Müller  (Lucy56)
      Mal oben nachlesen. Ein Fitnessabo ist kein Mietvertrag und die nicht erbrachte Leistung muss entschädigt werden.
  • Kommentar von Daniel Bachmann  (@danibachmannch)
    Hier was nerft ich schloss vor der Pandemie 2 Jahre ab und meide Kontakte. Jetzt gibt mir Activ Fitness nur Zeitguthaben für dannach jedoch schloss ich nur 2 Jahre ab. Migros heute doch gut aber Activ Fitness ist da ganz strikt. Ich richtete mir jetzt Homegym ein und gehe dort nie mehr ein Abo machen.
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  • Kommentar von Raphael Vögtli  (RaphaelVögtli)
    Leider kämpfen viele private Studios um ihr nacktes Überleben! die Mieten mussten an vielen Orten vollumfänglich bezahlt werden, die Geschäftsleiter bzw. Führer bekamen praktisch keinen Lohn und die meisten "Neukunden" werden im Januar/Februar/März verbucht! Mit den aktuellen Einschränkungen und den nahenden Sommerferien werden nur noch wenige Abos realisiert. Somit droht den Studios eine enorme Durststrecke.

    Solidarität, Kulanz und Toleranz ist da wohl auf allen Seiten gefragt!
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    1. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Bin ganz ihre Meinung.
    2. Antwort von Martin Mäder  (Martin M)
      Etwas habe ich gelernt in dieser Coronageschichte, dass es genau diese Sachen mit der Solidarität und Toleranz nicht gibt, leider.
    3. Antwort von Luvy Müller  (Lucy56)
      Und trotzdem. Das Risiko liegt beim Studio und nicht beim Kunden. Ich verstehe sowieso nicht, wieso man für die eigene Fitness ein Studio und Geräte braucht.
    4. Antwort von Martin Tschanz  (tinu83)
      @ Luvy Müller: Man kann auch ohne Stöcke laufen, anstelle ins Hallenbad in den See, statt Indoorcycling draussen Fahrrad fahren, statt Fitnessstudio Vitaparcours etc. ... Jedem das Seine. Hauptsache man macht es gern und im Idealfall regelmässig.
      Ich habe mich auf jeden Fall auch wieder auf die mir vertrauten Gesichter im Fit gefreut. :-)