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Legende: Audio «Sterile, herausgeputzte Gärten sind nichts für Wildbienen» abspielen. Laufzeit 05:20 Minuten.
05:20 min, aus Espresso vom 05.06.2019.
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Interview «Sterile, herausgeputzte Gärten sind nichts für Wildbienen»

Biologin und Wildbienen-Spezialistin Sabine Oertli erklärt im «Espresso», wie wir für Wildbienen Gutes tun können.

Bienenhotels sind im Trend. Allerdings checken nur ein Viertel aller Wildbienenarten in einem solchen Hotel ein. Die meisten der 600 Arten nisten im Boden. Im Interview mit «Espresso» erklärt Biologin und Wildbienen-Spezialistin Sabine Oertli, was Gartenbesitzer für sie Gutes tun können.

Sabine Oertli

Sabine Oertli

Biologin

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Sabine Oertli ist Wildbienen-Spezialistin und selbständige Naturschutz-Beraterin und Planerin.

«Espresso»: Frau Oertle, wie kann man im Garten und auf dem Balkon Nistplätze für Wildbienen anbieten?

Sabine Oertli: Auf dem Balkon ist es nicht ganz einfach, für bodennistende Wildbienen etwas zur Verfügung zu stellen. Es kann sein, dass die Bienen in einem Blumentopf ein Nest bauen. Stellt man das fest, sollte man den Topf über den Winter draussen lassen und nicht ausleeren, sodass der Nachwuchs im Frühling schlüpfen kann.

Im Garten oder auf dem Sitzplatz ist es einfacher. Die Wildbienen gehen gerne in Ritzen, zum Beispiel zwischen Steinplatten. Hier braucht es lediglich das Wissen, dass es Wildbienen sind, die nicht angreifen und ungefährlich sind. Vielleicht gehört auch etwas Toleranz dazu, wenn die Bienen einmal etwas Erde auf die Steine graben. Allerdings sind sie nur wenige Wochen aktiv.

Wer etwas mehr machen möchte, der kann eine Kräuterspirale aus Stein bauen. Anleitungen dazu findet man im Internet. Füllt man diese mit Sand, entsteht ein idealer Nistplatz für bodennistende Wildbienen.

Sterile, herausgeputzte Gärten eignen sich nicht.

Was sollte man nicht tun? Was macht den Bienen das Leben schwer?

Sterile, herausgeputzte Gärten eignen sich nicht. Wildbienen finden dort weder Nahrung noch Nistplätze. Holzschnitzel zwischen den Pflanzen versperren den Weg, und Betonplatten weisen keine Ritzen auf. Natürlich sind auch Gifte für Wildbienen ein Problem. Pestizide im Hausgarten sollte man daher möglichst vermeiden und auf schonende Mittel setzen.

Nebst einer Unterkunft brauchen die Bienen auch Verpflegung. Welche Tipps können Sie dazu geben?

Wildbienen brauchen in erster Linie Blüten. Dies brauchen sie in grossen Mengen, ab Mitte März bis September. Es gibt ein paar wertlose Exoten für Bienen, zum Beispiel Forsythien oder Schmetterlingssträuche. Dazu gehören auch Blumen mit gefüllten Blüten, wo kein Blütenstaub sichtbar ist. Viel tun kann man mit einheimischen Wildblumen oder vielen Zierpflanzen, zum Beispiel alle Blumen mit Aster-ähnlichen Blüten oder Küchenkräuter, bei welchen man die Blüten nicht wegschneidet. Wer geschickt auswählt, hat dann für lange Zeit einen blühenden Garten. Das freut den Besitzer, aber auch die Wildbienen.

Auch mit wenig Platz kann man bienenfreundliche Blumen anpflanzen.

Man kann also auch auf einem Balkon im Kleinen schon etwas bewirken …

Richtig. Auch mit wenig Platz kann man bienenfreundliche Blumen anpflanzen. Wer in einer Mietwohnung lebt, kann auch mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen und vorschlagen, die Umgebung entsprechend zu gestalten.

Das Interview führte Martina Schnyder.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Martin Aebi  (martika)
    Das Bienenhotel BeeHome von Wildbiene + Partner finde ich problematisch, auch wenn es qualitativ sehr gut ist. Das Geschäftsmodell baut darauf auf, dass Private v.a. zwei nicht sehr seltene Bienensorten, (gehörnte und rostrote Mauerbiene) vermehren. Die Bienenlarven sollen zurückgesandt werden. Damit werden sie längerfristig bei mir im Garten entnommen und an Bauern auch im Ausland verkauft, die oft massiv mit Pestiziden arbeiten. Seit 2018 muss zudem fürs Zurücksenden Fr. 25.- bezahlt werden.
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