«Bescheidenheit ist eine Zier ...»

  • Montag, 9. Dezember 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 9. Dezember 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 9. Dezember 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

... doch weiter kommt man ohne ihr», schrieb einst der grosse Ironiker Erich Kästner. Trifft das zu? Denn wohin man auch schaut, werfen sich «opinion leaders» aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur etc. etc. in die Brust, plustern sich auf und rücken sich in den Vordergrund. Und dann?

Etwas Tamtam und Trommeln gehört zu jedem Geschäft. Doch liessen sich ohne Narzissmus und Selbstdarstellung, mit Bescheidenheit, nicht eher Lösungen finden als mit egozentrischem Pfauentum? Und vor allem mehr Lebenszufriedenheit?

«Kontext» fragt nach beim Headhunter Thomas Biland, bei der Basler Münsterpfarrerin Caroline Schroeder Field, bei Moshe Baumel, Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel, und beim Physiker Henrik Nordborg, der materielle Bescheidenheit im Schilde führt und einen Konsumstreik vorschlägt.

Beiträge

  • Karrierekiller Bescheidenheit

    Im Geschäftsleben hat Bescheidenheit keinen wirklich guten Platz, erzählt der Zürcher Headhunter Thomas Biland. Denn Wirtschaft heisst: immer mehr - immer grösser, und wenn ein CEO sich da bescheiden zurückhält, macht er seinen Job schlecht.

    Alles klar? Nicht ganz: Wenn man genauer hinsieht, tauchen auch im Wirtschaftsleben in Zusammenhang mit «Bescheidenheit» plötzlich doch noch andere Kriterien auf.

    Maya Brändli

  • Eine Tugend

    «Sanftmütigkeit ist sein Gefährt». So beschreibt das Weihnachtslied «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit» den Charakter des «Herrn der Herrlichkeit», des «Königs aller Königreiche».

    Bescheidenheit sei ein zentraler Wert der christlichen Glaubenspraxis, sagt Caroline Schroeder Field, Pfarrerin am Basler Münster. Und sie sei in dieser lauten, egozentrischen, masslosen Zeit enorm wichtig.

    Raphael Zehnder

  • Sich richtig einschätzen

    Mose sei ein Vorbild gewesen, sagt der Basler Rabbiner Moshe Baumel: stark nach aussen, gegenüber dem Pharao, damit dieser das Volk Israel gehen liess, bescheiden aber im Auftreten im Privaten.

    Bescheidenheit bedeute, sich richtig einzuschätzen: sich nicht für zu wichtig halten, aber auch nicht für zu gering.

    Raphael Zehnder

  • Konsumstreik

    Dem Physiker Henrik Nordborg steht der Sinn nach materieller Bescheidenheit. «Wir haben alles, warum sollen wir überhaupt noch etwas kaufen?», sagt er und bringt die Idee eines Konsumstreiks aufs Tapet.

    Das würde nicht nur die Ressourcen schonen und Schadstoffemissionen bremsen, sondern vielleicht auch das Leben lebenswerter machen. Aber wollen die Menschen überhaupt verzichten?

    Raphael Zehnder

Autor/in: Raphael Zehnder und Maya Brändli, Moderation: Brigitte Häring, Redaktion: Sabine Bitter