Droht ein neuer Kalter Krieg?

  • Dienstag, 28. Juli 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 28. Juli 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 28. Juli 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die russische Annektierung der Krim, die Ukraine-Krise sowie die atomare Aufrüstung aus russischer Seite und die neuen NATO-Stützpunkte entlang der russischen Grenze auf westlicher Seite - das gegenwärtige Säbelrasseln erinnert an den Kalten Krieg.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 gab es zehn Jahre lang einen sanfte Annäherung an Westeuropa und die USA. Dann kamen die Tschetschenien- und die Georgienkrise, immer mehr Nachbarstaaten Russlands traten der NATO bei, der Westen belegte Moskau mit Sanktionen und schloss Russland aus der G 8 aus.

Fast scheint es, als würde sich der Ost-West-Konflikt wieder ähnlich polarisieren wie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. «Wir leben in einer gefährlichen Situation, aber es ist noch kein Kalter Krieg,» sagt der ETH-Sicherheitsexperte Oliver Thränert.

 

Beiträge

  • «Wir leben in einer gefährlichen Situation»

    Vieles ist bedrohlich, und ähnlich wie im Kalten Krieg besteht immer die Gefahr, dass mal jemand einen falschen Knopf drückt. Diese Befürchtung hat der Leiter des Think Tanks für sicherheitspolitische Studien an der ETH Zürich, Oliver Thränert.

    Grosse Sorgen macht sich Thränert vor allem um Wladimir Putins atomare Aufrüstung. Aber er betont: Noch haben wir keinen Kalten Krieg.

    Hansjörg Schultz

  • Die Rolle der NATO

    Der Ukrainekonflikt bringt die Nato in ein Dilemma: Auf der einen Seite gewinnt die mächtigste Militärallianz der Welt in den Augen der Öffentlichkeit an Bedeutung. Mehr Menschen sehen in Russland wieder eine ernsthafte Bedrohung. Die Daseinsberechtigung der Nato ist gestärkt.

    Auf der andern Seite deckt die Krise Schwächen der Nato auf: Sie wäre nämlich heute nicht der Lage - obschon sie das behauptet - ihre östlichen Mitgliedländer vor einem russischen Angriff zu schützen.

    Fredy Gsteiger

  • «Wir haben Putins Spielchen durchschaut»

    Der Freiburger SPD-Politiker Gernot Erler ist der Russland-Beauftragte der deutschen Bundesregierung. Er spricht russisch und hält sich oft in Moskau auf. Früher galt Erler in der deutschen Politik als «der Russland-Versteher» und Befürworter eines intensiven Dialogs mit Osteuropa.

    Doch seit der Ukraine-Krise ist der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt masslos enttäuscht und ein heftiger Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin.

    Hansjörg Schultz

  • Was Russland und Europa verbindet

    Der Westen und Russland sind enger miteinander verbunden, als dies im derzeitigen Klima der Abkühlung den Anschein macht. Die kulturellen Verflechtungen sind eng. Zudem haben die beiden Lager eine lange gemeinsame Vergangenheit.

    Vor diesem Hintergrund könnten es sich weder Russland noch der Westen leisten, sich gegeneinander abzuschotten, wie dies derzeit geschieht, sagt Ulrich Schmid, Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Universität St. Gallen, im Gespräch mit Felix Münger.

    Felix Münger

Autor/in: Fredy Gsteiger, Felix Münger, Hansjörg Schultz, Moderation: Monika Schärer, Redaktion: Cornelia Kazis