Falsche Pässe für Verfolgte und Schweizer KZ-Opfer

  • Freitag, 24. Januar 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 24. Januar 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 24. Januar 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der Nationalsozialismus hinterliess auch in der Schweiz Spuren. Neue Forschungen werfen ein Schlaglicht auf Schweizer KZ-Häftlinge und auf ein geheimes Helfernetzwerk für jüdische Verfolgte. Ein neues Vermittlungsprojekt soll zudem die jüdische Geschichte in der Schweiz Jugendlichen näher bringen.

Die Schweiz hat den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden. Dennoch hinterliessen Nationalsozialismus und Krieg auch hierzulande Spuren. Zwei neue Forschungsarbeiten liefern neue Erkenntnisse.

So weist ein neues Buch auf Schweizerinnen und Schweizer hin, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren. Und die aktuelle Ausstellung im jüdischen Museum in Basel deckt auf, wie ein geheimes Helfernetz in Bern für Tausende von jüdischen Verfolgten falsche Pässe ausstellte und Leben rettete.

Für neue Formen der Vermittlung jüdischer Geschichte in der Schweiz engagiert sich zudem der Verein «Doppeltür» im Kanton Aargau. Er bereitet vermehrt Lebensgeschichten in multimedialer Form auf und sucht den Dialog mit Jugendlichen.

Beiträge

  • Geheime Aktion: Falsche Pässe für Verfolgte

    Die Aktion blieb bis vor Kurzem unter dem Deckel: Der Schweizer Honorarkonsul von Paraguay, Rudolf Hügli, gehörte zusammen mit Mitarbeitern der polnischen Botschaft in Bern zu einem Netzwerk, das Jüdinnen und Juden das Leben rettete.

    Dazu gehörten 120 Helferinnen und Helfer, die sich ab 1938 bemühten, den Verfolgten Pässe für südamerikanische Staaten auszustellen und zu vermitteln. Die Erkenntnisse einer ersten Recherche zu dieser bisher geheimen Aktion werden in der Ausstellung «Pässe, Profiteure, Polizei.

    Ein Schweizer Kriegsgeheimnis» im jüdischen Museum der Schweiz in Basel präsentiert.

    Sabine Bitter

  • Vergessene Schweizer KZ-Häftlinge

    Mindestens 391 Frauen und Männer mit Schweizer Staatsbürgerschaft waren während des Zweiten Weltkriegs in Konzentrationslagern inhaftiert.

    Eine umfassende Recherche dazu wurde vom Autorenteam mit Balz Spörri, René Staubli und Benno Tuchschmid in mehrjähriger Arbeit geleistet. Sie dokumentieren diese Fälle in einem Buch und zeigen auf, was die Schweizer Behörden für die Opfer des NS-Regimes unternommen und was sie unterlassen haben.

    Sabine Bitter

  • Respekt lernen

    Der Verein «Doppeltür» entwickelt neue Formen der Vermittlung jüdischer Geschichte in der Schweiz. In den Aargauer «Judendörfern» Endingen und Lengnau gab es eine jahrhundertelange Koexistenz jüdischer und christlicher Familien.

    Der Verein sammelt nun vermehrt Lebensgeschichten, bereitet sie multimedial auf und möchte verstärkt mit Schülerinnen und Schülern in Dialog treten. Es gehe darum, Respekt zu lernen, gerade angesichts des neuen Antisemitismus, auch bei uns in der Schweiz, sagt Initiator Roy Oppenheim.

    Judith Wipfler

Autor/in: Sabine Bitter, Judith Wipfler, Moderation: Norbert Bischofberger, Redaktion: Sabine Bitter Produktion: Anna Jungen