Kultour de Suisse nach Ennenda (1/8): Museum für eine Magd

Kultour de Suisse

  • Freitag, 13. Juli 2018, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 13. Juli 2018, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 13. Juli 2018, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Das Anna Göldi Museum im Hänggiturm im glarnerischen Ennenda ist – einzigartig – einer Magd gewidmet. Nicht irgendeiner Magd, sondern jener Frau, die 1782 wegen teuflischen Machenschaften zum Tod verurteilt und mit dem Schwert enthauptet wurde.

Die Geschichte der angeblich «letzten Hexe Europas» wird fassbar im Anna Göldi Museum im glarnerischen Ennenda in einer kleinen, aber feinen und eindrücklich inszenierten Ausstellung im Hänggiturm: ein Beispiel für modernes helvetisches Kulturschaffen abseits der städtischen Zentren mit einer Ausstrahlung über den Ort und auch über die Schweiz hinaus.

Das ist die erste Station der «Kontext»-Sommerserie «Kultour de Suisse»: Sie rückt kulturelle Einrichtungen ins Scheinwerferlicht, die innovativ, experimentell und überraschend sind und zum reichhaltigen Kulturerbe der Schweiz beitragen.


Beiträge

  • Ein Rundgang durch den historischen Hänggiturm

    Das Anna Göldi Museum in Ennenda bei Glarus befindet sich im Hänggiturm. Solche Türme dienten der Glarner Textilindustrie zum Aufhängen und Trocknen bedruckter Stoffbahnen. Diese historische Umgebung verleiht der Geschichte der angeblichen Hexe Anna Göldi eine zusätzliche Dringlichkeit.

    Die Ausstellung integriert das Gebäude in die Präsentation: Schwarze Stoffbahnen betonen das düstere Schicksal der Anna Göldi, Spiegel am Boden führen das Dachgebälk ins Endlose und versinnbildlichen ihren Fall ins Bodenlose.

    Museumsleiter Fridolin Elmer führt durch den historischen Raum.

    Noëmi Gradwohl

  • Opfer eines Justizmords

    Anna Göldi stand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert als Magd im Dienst der einflussreichen Glarner Familien Zwicky und Tschudi, die verfeindet waren. Mit Zwicky soll sie ein Verhältnis gehabt haben, bei Tschudis soll sie ein Kind vergiftet haben. Deshalb wurde ihr der Prozess gemacht.

    Sie soll unter Folter einen Pakt mit dem Teufel gestanden haben und wurde schliesslich hingerichtet.

    Wer die Hexen-Macher waren, beleuchtet die Historikerin Nicole Billeter.

    Sabine Bitter

  • Späte Rehabilitierung

    Der Dienstmagd Anna Göldi wurden teuflische Machenschaften unterstellt, sie wurde verurteilt und 1782 enthauptet. Allerdings wurde schon damals in Zweifel gezogen, ob diese Verurteilung rechtens war.

    Der Jurist und Journalist Walter Hauser hat die Geschichte dieser Verurteilung akribisch recherchiert und massgeblich zur späten Rehabilitierung von Anna Göldi beigetragen.

    Sabine Bitter

  • Anna Göldi: eine Frau mit vielen Gesichtern

    Eveline Hasler hat 1982 mit ihrem Roman «Anna Göldin, letzte Hexe» ein einzigartiges Zeitdokument über die geheimnisvolle Figur geschrieben. Darin zeigt die Schweizer Schriftstellerin, wie eine Frau aus der Unterschicht im 18. Jahrhundert lebte und wie vielschichtig ihre Persönlichkeit war.

    Knapp zehn Jahre später brachte die Zürcher Filmemacherin Gertrud Pinkus ihre Adaption des Romans ins Kino.

    Im Gespräch erzählen die beiden Künstlerinnen, wie sie sich dem Stoff angenähert und ihr eigenes Bild von Anna Göldi geschaffen haben.

    Kaa Linder

Autor/in: Sabine Bitter, Noemi Gradwohl, Kaa Linder, Moderation: Noëmi Gradwohl, Redaktion: Sabine Bitter, Noëmi Gradwohl