Literatur im Gespräch: Frauen für den König

  • Donnerstag, 26. März 2020, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 26. März 2020, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 26. März 2020, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Lange gewartet, jetzt ist er da: «Spiegel und Licht» Hilary Mantels dritter Teil der Saga über Heinrich VIII und seinen Berater Cromwell. Wieder rollen Köpfe, doch jetzt nicht nur der von Königinnen und ihren Liebhabern. Ein Roman über Intrige, Macht und Religion.

Wieder ist eine Königin tot. Diesmal ist sie im Kindbett gestorben, nicht durch das Beil, wie ihre Vorgängerin Anne Boleyn. Immerhin hat sie dem König den lang ersehnten Sohn geschenkt. Thomas Cromwell, die rechte Hand von König Heinrich VIII ist einmal mehr gefordert. Eine neue Frau muss her. Aber diesmal trifft er die falsche Wahl. Das kostet auch ihn, den engsten Vertrauten des Königs, den Kopf.
Auch der letzte Teil der lange erwarteten Saga von Bookerpreisträgerin Hilary Mantel erzählt von den Machenschaften am Hof der Tudors, von Intrigen, Macht und der Abspaltung Englands von der katholischen Kirche. Das Kritikerteam diskutiert unter anderem die Fragen: Was fasziniert so an Heinrich VIII und seiner Zeit? Und warum ist Hilary Mantels historische Roman-Trilogie ein solcher Erfolg, obwohl sie mit ihrem Detailreichtum nicht einfach zu lesen ist.

Weiter in der Sendung: «Milchmann» von Anne Burns. Für ihren umwerfenden Roman, der in der Zeit von «Troubles» angesiedelt ist, dem Nordirlandkonflikt in den 70er Jahren, hat auch sie den renommierten Booker Preis bekommen.

Und dann noch ein überraschendes Debut: «Eisfuchs» von der Sängerin und Autorin Tanya Tagaq über das Aufwachsen am Rande des Eismeeres, bei den Inuit im Norden von Kanada. Ein Roman voller Mythen und Gewalt.

Beiträge

  • «Spiegel und Licht» von Hilary Mantel

    Thomas Cromwell steht in der Kälte und sieht zu, wie Anne Boleyn, der Königin und zweiten Gattin Heinrich VIII, der Kopf abgehackt wird. Grund, sie soll mehrere Liebhaber gehabt haben. Auch diese enden auf dem Schafott.

    So beginnt der dritte Teil von Hilary Mantels Romanen über die Tudors. Noch weiss Cromwell, der Stellvertreter und Vertraute des Königs nicht, dass auch ihm das gleiche Schicksal blüht. Er ist der Mann fürs Grobe. Er verschafft dem König Geld und Frauen. Er ist der Architekt der Trennung der englischen Kirche von Rom. Ein historischer Roman über Macht, Intrigen und Religion.

    Esther Schneider

  • «Milchmann» von Anna Burns

    Sie hat keinen Namen. Aber sie ist 18 Jahre jung, liest gerne, auch beim Gehen, vor allem Romane aus dem 19. Jahrhundert. Wer beim Gehen liest, ist nicht wachsam. Das sollte sie aber sein. Denn es sind unsichere Zeiten. Und sie wird bedrängt vom Milchmann.

    Nur ist es kein echter Milchmann, sondern ein hohes Tier beim Paramilitär.

    Die Gerüchteküche brodelt. Ihr wird ein Verhältnis mit eben diesem Milchmann angedichtet, Das ist gefährlich. Sie wird beobachtet, fotografiert. Es herrscht Bürgerkrieg in Nordirland. Es sind die 70er Jahre.

    Esther Schneider

  • «Eisfuchs» von Tanya Tagaq

    Ein Ort am Rande des Eismeeres ganz im Norden von Kanada. Es ist klirrend kalt. Der Frost bringt alles zum Stillstand. Doch schulfrei gibt es erst ab minus 50 Grad, erfahren wir von der Erzählerin, die dort zur Frau heranwächst. Und es ist dunkel, ein halbes Jahr lang. Langeweile macht sich breit.

    Und im Dunklen geschehen unschöne Dinge, Gewalt, Alkohol, sexueller Missbrauch. Aber es gibt auch die überwältigende Natur und die Polarlichter. Und dann sind da die Ahnen, die Inuit-Vorfahren, denen grosses Unrecht angetan wurde. Ein Unrecht, das bis in die 70er Jahre reicht, in der die Geschichte spielt.

    Esther Schneider

Autor/in: Sieglinde Geisel, Julian Schütt und Esther Schneider, Moderation: Esther Schneider, Redaktion: Anna Jungen