Stalins lange Schatten

  • Dienstag, 5. Mai 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 5. Mai 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Dienstag, 5. Mai 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Der Stalinismus forderte in der Sowjetunion rund 25 Millionen Opfer. Sowohl Historiker als auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben Stalins Terrorsystem eindringlich beschrieben. Dennoch wird Josef Stalin im heutigen Russland wieder zunehmend salonfähig.

SRF-Russlandkorrespondent Peter Gysling erklärt, dass Stalins Schreckensherrschaft in Russland generell nur zurückhaltend thematisiert werde. Viele würden Stalin wegen seines Sieges über Hitlerdeutschland verehren, der sich am 9. Mai 2015 zum 70. Mal jährt. Andere wiederum zollten Stalin zudem Respekt, weil er zu seiner Zeit angeblich «für Ordnung gesorgt» habe.

Der vergriffene und kürzlich neu erschienene Roman «Untertauchen» der russischen Schriftstellerin Lydia Tschukowskaja zeichnet ein ganz anderes Bild. Das Buch schildert eindringlich, wie düster und beängstigend es etwa für Kulturschaffende war, in der stalinistischen Sowjetunion leben zu müssen.

Buchhinweis: Lydia Tschukowskja: Untertauchen, Dörlemann 2015.

Beiträge

  • Siegreicher Feldherr oder Verbrecher?

    Am 9. Mai 2015 jährt sich zum 70. Mal der sowjetische Sieg über Hitlerdeutschland. Russland begeht den Jahrestag traditionell mit einer pompösen Truppenparade auf dem Roten Platz.

    SRF-Russlandkorrespondent Peter Gysling erklärt, inwiefern auch dem damaligen Staatschef Josef Stalin gedacht wird. Als was sehen die Russen heute den Diktator mehrheitlich als Kriegsheld oder als Verbrecher?

    Hansjörg Schultz und Peter Gysling

  • Ein Roman über ein Leben in Angst und Unterdrückung

    Der Roman «Untertauchen» der russischen Schriftstellerin Lydia Tschukowskaja ist ein meisterhaftes Stimmungsbild vom Leben in der Sowjetunion unter Stalin. Das Buch erzählt von den Ängsten und Beengungen, denen Künstler ausgesetzt waren.

    Es berichtet von menschlichen Schicksalen, von grauenhaften Traumata und von schmerzlichen Anpassungen, die das System dem Einzelnen abverlangte.

    Die deutsche Übersetzung des Romans der 1996 verstorbenen Autorin war lange Zeit vergriffen und ist jetzt neu herausgekommen. Dazu Slawistikprofessor Thomas Grob von der Universität Basel im Gespräch.

    Felix Münger

  • Der Wille zur Macht

    Josef Stalin wurde von einem unbändigen Machttrieb getrieben. Die Osteuropahistorikerin Susanne Schattenberg erklärt, wie es Stalin in den 1920er-Jahren schaffte, an die Macht zu gelangen und dabei alle seine Konkurrenten auszuschalten.

    Woher kam die unglaubliche, kriminelle Energie, die von diesem Gewaltherrscher ausging? Und: Weshalb konnte sich sein Terrorregime so lange halten?

    Felix Münger

  • Stimmen gegen das Vergessen

    Noch immer gibt es in Russland Stimmen, die gegen das Vergessen, Verharmlosen und Verdrängen des Stalinismus ankämpfen. So etwa die Verantwortlichen des Sacharow-Zentrums in Moskau.

    SRF-Russlandkorrespondent Peter Gysling begleitet dort Schülerinnen und Schüler durch eine seit längerem bestehende Ausstellung, welche die Zeit unter Stalin bedrückend in Erinnerung ruft. Könnte ein solches Zentrum in Russland heute noch eröffnet werden?

    Felix Münger und Peter Gysling

Moderation: Hansjörg Schultz, Redaktion: Felix Münger