Tom Segevs alternativer Blick auf die israelische Geschichte

  • Freitag, 27. September 2019, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Freitag, 27. September 2019, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Freitag, 27. September 2019, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die israelische Geschichte neu erzählen und Mythen dekonstruieren. Das ist das Markenzeichen von Tom Segev. Die kritischen Bücher des israelischen Historikers werden deshalb im Ausland mehr gelesen als in Israel selbst. Was motiviert, weiter an einer anderen Geschichte seines Landes zu schreiben?

Tom Segev gehört zu jener Generation israelischer Autoren, die als sogenannte «neue Historiker» Furore machten. Segev schreibt an einem alternativen Narrativ der Geschichte seines nun über 60jährigen Staates. Die Staatsgründung Israels 1948 bleibt den einen das grösste Wunder nach dem Holocaust.

Segev jedoch ist an einer Heroisierung der Staatsgründer nicht interessiert. Das wird auch in seinem jüngsten Werk über Ben Gurion und den «Staat um jeden Preis» deutlich. In seinen vor allem international beachteten Büchern wie über den Sechs-Tage-Krieg von 1967 dekonstruiert Tom Segev so manchen Mythos. Vielen gilt er seither auch als Nestbeschmutzer.

Was treibt ihn persönlich an? Was motiviert ihn, aktuell in der Schweiz zu dozieren, noch dazu auf Deutsch? Judith Wipfler und Nicole Freudiger führen mit dem Intellektuellen ein Kontextgespräch jenseits tagespolitischer Hektik.

Beiträge

  • Wer ist Tom Segev?

    Tom Segev ist ein «Sabre», was heisst: er wurde bereits in Israel, damals britisches Mandatsgebiet Palästina geboren. Von seinen Eltern hat er noch Deutsch gelernt. Sie waren 1933 aus Deutschland geflüchtet.

    Umso bemerkenswerter ist, dass sich der Historiker und Politologe nicht mit dem Mehrheitsnarrativ zufrieden gibt, der besagt, dass der Staat Israel ein einziger Segen war.

    Der israelische Publizist schreibt jeweils Bücher mit vielen hunderten Seiten, die einen langen Atem brauchen. Wir stellen den aktuellen Gastdozenten der Universität Luzern Tom Segev in dieser Kontextsendung zuerst kurz vor.

    Judith Wipfler, Nicole Freudiger

  • Der israelische Publizist Tom Segev im Gespräch

    Jenseits tagespolitischer Hektik führen wir ein Gespräch mit dem Publizisten Tom Segev: Was motiviert ihn, als Gastdozent in Luzern zu referieren? Wie geht er damit um, dass ihm die Mehrheit im eigenem Land Israel nicht zuhört? Wie stark bestimmen Narrative, sprich Geschichtsschreibung, die Identität generiert, eine so höchst pluralistische Gesellschaft wie die Israels?

    Blasenbildung, also Zersplitterung der Gesellschaften und ihrer Diskurse beobachten wir auch in Europa: Wie kommen wir über die Grenzen unserer Blasen überhaupt noch ins Gespräch? – Das sind einige der Fragen in diesem Kontextgespräch.

    Nicole Freudiger, Judith Wipfler

Autor/in: Nicole Freudiger, Judith Wipfler, Moderation: Norbert Bischofberger, Redaktion: Anna Jungen