Keim fliegt mit – Blinde Passagiere im Flugzeug

Dank der vielen Flugreisenden kommen auch Keime weit herum. Besonders wohl fühlen sie sich scheinbar auf Flugzeugsitzen – tagelang.

Die Flugzeuglüftung steht als Keimschleuder immer wieder in der Kritik. Doch auch sonstiges Inventar in Flugzeugen kann es in sich haben: Amerikanische Forscher der Auburn University haben bereits im letzten Jahr in einem Test untersucht, wie gut sich der MRSA-Keim Staphylococcus aureus und der EHEC-Keim Escherichia coli in Flugzeugen hielt. Während Staphylococcus aureus so gefährlich ist, weil er zu den gegen Antibiotika resistenten Bakterien zählt, ist Escherichia coli ein Auslöser für Durchfallerkrankungen.

Die Wissenschaftler trugen auf in Flugzeugen gebräuchliche Plastiktabletts, auf Fensterjalousien, Spülknöpfe auf Toiletten oder die Oberflächen und Armlehnen von Flugzeugsitzen die zwei Bakterientypen auf – entweder in künstlichem Schweiss, künstlicher Spucke oder einer salzhaltigen Lösung.

Die Testumgebung entsprach den Verhältnissen in Flugzeugen – die Luftfeuchtigkeit war also gering, der Luftdruck und die Temperatur wechselnd. Trotzdem fühlten sich die Bakterien wohl: Dem MRSA-Erreger gefiel es besonders auf Rückenlehnen. Dort liess er sich noch eine Woche später nachweisen. Die Coli-Bakterien blieben vier Tage lang auf den Armlehnen potenziell ansteckend – egal, in welcher Flüssigkeit die Keime aufgetragen worden waren.

Test bestätigt die Studie

Im Auftrag einer US-Reisewebsite machte jetzt ein amerikanischer Mikrobiologe denm «Live»-Test mit stichprobenartigen Untersuchungen auf US-Flugreisen. Er nahm 26 Proben an fünf Flughäfen sowie auf vier Flügen. Und auch hier zeigte sich: Die meisten Keime fanden sich nicht in den Toiletten, sondern an den herunterklappbaren Tischchen. Die Erklärung: Auf den Toiletten werde gründlicher geputzt als an den Sitzplätzen.

Ähnlich viele Keime wie auf den Toiletten-Spültasten fand der Tester an Bord auch auf Gurtschnallen sowie an den Überkopf-Düsen für die Belüftung. Auf Flughäfen wiederum war der öffentlich zugängliche Ort mit der höchsten ermittelten Keimdichte die Taste am Wasserspender.