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Forschung Impfen gegen Heuschnupfen

In drei bis vier Jahren will die Westschweizer Firma Anergis die erste Impfung gegen Birken-Pollen auf den Markt bringen. Im Vergleich zur gängigen Immuntherapie kommt die neue Behandlung mit viel weniger Spritzen aus.

Legende: Video Fortschritt bei Impfung gegen Heuschnupfen abspielen. Laufzeit 05:28 Minuten.
Aus Puls vom 18.05.2015.

Für Allergiker können Frühling- und Sommermonate mitunter zum Alptraum werden. Die Pollen von Gräsern und Bäumen führen dazu, dass ihr Immunsystem vollkommen überreagiert. Niesen, Jucken, Augenbrennen sind die Folge.

Rund zehn Prozent der Betroffenen unterziehen sich deshalb einer Immuntherapie, im Volksmund Desensibilisierung genannt. Dabei wird dem Patienten über Jahre hinweg ein Allergen gespritzt, welches den Körper an den krankmachenden Stoff gewöhnen soll. Das funktioniert bei vielen, hat aber den Nachteil, dass 50 bis 80 Spritzen gesetzt werden müssen.

Fünf Spritzen in zwei Monaten

Die Firma Anergis im waadtländischen Epalinges entwickelt einen Wirkstoff gegen Birkenpollen-Allergie, welche ähnlich einer Impfung funktioniert. Fünf Spritzen in zwei Monaten sollen für mehrere Jahre Abhilfe schaffen.

Allerdings bietet der Impfstoff keinen vollständigen Schutz. Laut Anergis haben die Symptome bei den getesteten Patienten um durchschnittlich 20 Prozent abgenommen. Je stärker die Allergie, desto stärker die Verbesserung.

Im Falle einer normalen Impfung wären 20 Prozent ein schwacher Schutz. Bei der Behandlung von Allergikern sei dies aber ein Wert, der durchaus im Bereich von anderen Therapien liegt, erklärt Thomas Kündig, Forschungsleiter Dermatologie am Unispital Zürich. Er glaubt, dass die Impfung noch verbessert werden kann.

Allergen aus dem Labor

Während bei der herkömmlichen Immuntherapie natürliche und vollständige Allergene gespritzt werden, geht die Anergis, die eng mit der Universität Lausanne zusammenarbeitet, neue Wege: Die Forscher stellen das Birken-Allergen künstlich im Labor her und zerteilen es in drei Abschnitte, bevor sie es an Aluminium-Salz gebunden dem Patienten spritzen. So zerteilt verlieren die Eiweisse-Abschnitte ihre allergene Wirkung.

Das Immunsystem des Körpers erkennt das Allergen und produziert eine normale Anzahl von Antikörpern, eine Überreaktion bleibt aus.

Frühestens 2018 auf dem Markt

Die Heuschnupfen-Impfung wird nun an weiteren 2000 Patienten getestet, ehe sie zugelassen werden kann. Gemäss Anergis soll der Impfstoff gegen Birkenpollen-Allergie 2018 oder 2019 auf den Markt kommen.

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