Mit Salzwasser und Gummischlauch gegen den Schmutz in der Nase

Wer «Yoga» hört, denkt zuerst an die populären Körperübungen. Aber auch die Hatha-Yoga-Nasenreinigung gehört zum rituellen Alltag der Yogis. Das «Puls»-Versuchskaninchen hat sich unter Anleitung mit Salzwasser und Gummischlauch die Nase einmal so richtig durchgeputzt.

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Das Versuchskaninchen – Wie sich Yogis beim Nasenputzen quälen

5:49 min, aus Puls vom 7.10.2013

Die Reinigungstechniken gehören beim Hatha Yoga ebenso zum täglichen Ritual wie die Körperstellungen und die Atemtechniken. In Indien wird «Jala-Neti», die Nasen-Reinigung, schon seit Jahrtausenden praktiziert. Denn nur wer eine freie Nase hat, kann sich schliesslich auf die Atem- und Körper-Übungen konzentrieren.

Viele Menschen entwickeln die Angewohnheit, durch den Mund zu atmen, wenn die Nase immer wieder mal verstopft ist. Aber eigentlich ist es die Nase, die für die Atmung vorgesehen ist. Der Mund ist es nicht. Und deshalb achten die Yogis auf eine freie Nase.

Reinigung für Zuhause

Die einfachste und populärste Form der Nasenreinigung ist die Reinigung mit einem sogenannten «Neti-Kännchen», das Ähnlichkeit mit einer kleinen Giesskanne hat.

Übt man im Freien oder über einer Badewanne oder dem Lavabo, dann beugt man den Oberkörper nach vorne und dreht den Kopf um 90 Grad zur Seite. Entspannung ist wichtig. Man öffnet den Mund leicht und versucht den Gaumen locker zu lassen, während man den Schnabel des Neti-Kännchens in das oben liegende Nasenloch einführt und lauwarmes Salzwasser eingiesst. Das Wasser durchfliesst den Innenbereich der Nase und läuft durch das andere Nasenloch wieder hinaus. Anschliessend wechselt man die Seite.

Idealerweise macht man die Übung am Morgen, wenn man den Tag startet. Auf Reisen in Grossstädten wie Kalkutta praktizieren die Yogis die Nasenreinigung auch mehrmals am Tag, je nach Feinstaubbelastung der Atemluft und natürlich je nach Bedarf.

Die Idee ist, dass das Wasser, das durch die Nasengänge fliesst, Verunreinigungen, Pollen, Viren, Bakterien etc. hinausspült. Verkrustungen werden gelöst, und die normale Funktionsfähigkeit der Nasenschleimhaut wird wieder hergestellt. Durch die Nasenspülung werden die kleinen, feinen Öffnungen der Verbindungskanäle, die in die Nasenhöhle münden, freigehalten. Die Schleimhäute schwellen ab, die Nasenatmung wird wieder freier. Da die Nasenscheidewand nicht durchgängig bis zur Nasenwurzel ausgebildet ist, kann das Wasser durch einen Durchgang oben im Rachenraum hindurchfliessen. Das Wasser fliesst in das eine Nasenloch hinein und aus dem anderen wieder heraus. Anschliessend wird die Nase durch leichtes Ausschnauben getrocknet.

Stark wie ein Elefant

Wer nicht nur den Nasen-, sondern auch den Rachenraum reinigen will, kann sich an die etwas anspruchsvolleren Übungen wagen. Salzwasser aus einer Schale wird dabei durch die Nase eingesogen und durch den Mund abgelassen. Die umgekehrte Variante, also Wasser im Mund aufnehmen und dann durch die Nase auspressen, verleihe einem die Stärke eines Elefanten, heisst es in alten indischen Schriften.

«Sutra-Neti» schliesslich ist die Variante ohne Wasser aber mit einem Gummischlauch. Traditionell wird dazu ein gewachster Faden verwendet, heute praktizieren Yogis die Reinigung normalerweise mit einem Medizinal-Katheter: Der Gummischlauch wird mit leichten Drehbewegungen zuerst durch das rechte Nasenloch eingeführt, mit Zeigefinger und Daumen im Rachenraum gefasst und dann durch den Mund gezogen. Leicht «sägende» Bewegungen vor und zurück reinigen das Nasenloch. Danach wird die linke Seite gereinigt.

Wunderwerk Nase

Durch die Nase wird die Atemluft ein- beziehungsweise ausgeatmet, wobei die kalte Luft erwärmt und angefeuchtet wird. Die Nasenhaare und die Flimmerhärchen fangen dabei Fremdpartikel ab. Dank der Nase kann man auch mit geschlossenem Mund atmen.

  • Beim Schutz vor eingeatmeten Fremdkörpern und Krankheitserregern spielt die Nasenschleimhaut eine wichtige Rolle. Die unerwünschten Partikel und Erreger bleiben nämlich an der Schleimschicht kleben. Die Flimmerhärchen der Nase schlagen pro Minute bis zu 900 Mal und schieben so die Schleimschicht in den Rachen. Alle 20 Minuten ist die alte Schleimschicht so gegen eine neue ausgetauscht. Für die Abwehr von Krankheitserregern sind spezifische Abwehrstoffe in der Schleimhaut aktiv, mit der die Krankheitserreger abgewehrt werden können, soweit diese nicht ausgeschneuzt, ausgeniest oder einfach in den Rachen abtransportiert werden.
  • Die Schleimhaut wird durch eine gute Durchblutung warm gehalten. Die kalte Luft, die durch die Nase strömt, wird von der Schleimhaut erwärmt und die Bronchien und die Lunge werden so vor kalter Luft geschützt.
  • Eine gesunde Nasenschleimhaut erzeugt ein Sekret, das zum grössten Teil verdunstet. Das verdunstete Wasser wiederum wird an die Atemluft abgegeben, um diese zu befeuchten.
  • Eine freie, saubere und ideal befeuchtete Nase sorgt für eine angenehme und gesunde Atmung.

Neti-Kännchen gibt es in spezialisierten Shops oder in Drogerien und Apotheken zu kaufen.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 07.10.2013 21:05

    Puls
    Warzen, Altersleukämie, Versuchskaninchen

    07.10.2013 21:05

    • Warzen – Die lästigen Hautwucherungen lauern ein Leben lang
    • Altersleukämie – Was die Schockdiagnose alles bedeuten kann
    • Das Versuchskaninchen – Wie sich Yogis beim Nasenputzen quälen