Skifahren allein macht nicht schlank

Beim Skifahren ist Körpereinsatz gefragt, keine Frage. Betrachtet man aber ganz nüchtern den Kalorienverbrauch, fällt der trotzdem ziemlich mager aus. Im Selbsttest der «Puls»-Redaktorin waren es gerade mal 255 kcal.

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Wintersport – Kalorienverbrauch beim Skifahren

5:02 min, aus Puls vom 6.2.2017

Es könnte ja so schön sein: Sonnenschein, Pulverschnee, lässig den Hang hinunterschwingen und dabei so viele Kalorien verbrennen, dass man beim Mittag- und Abendessen ungeniert zulangen darf: Älplermagronen, Riesen-Cremeschnitte und hinterher ein Schümlipflümli – was halt zu einem richtigen Skitag gehört.

Der Gedanke ist nachvollziehbar, denn schliesslich hat man sich ja den ganzen Tag bewegt. Die einschlägigen Online-Kalorienrechner veranschlagen dafür ja auch satte 500 kcal pro Stunde; macht bei vier Stunden auf den Skiern schon 2000 kcal!

Und doch nimmt man in den Skiferien eher zu als ab. Macht Skifahren am Ende noch dick? «Puls» wagte den Selbsttest.

Widersprüchliche Werte

Bei der Recherche fiel auf, dass sich die besagten Kalorienrechner auf sogenannte MET-Angaben beziehen, die unter anderem aus dem Kompendium der physischen Aktivität stammen. Diese Angaben sind wiederum unterschiedlich. Der Grund: Einige Werte stammen aus Studien mit sehr kleiner Teilnehmerzahl – aber meist sind sie einfach bloss geschätzt.

Beim «Puls»-Selbsttest kamen verschiedene Messgeräte zum Einsatz, ausschlaggebend war jedoch die Atemmessung. Die Atemgasanalyse ermöglicht eine genaue Darstellung des Energiestoffwechsels, da sie das Atemgas während der körperlichen Belastung misst. Dabei wird indirekt auch die Zellatmung erfasst, also der Energiestoffwechsel des Körpers. Aus all diesen Messdaten lässt sich der genaue Kilokalorien-Umsatz berechnen.

Ergebnis nach einer Stunde Skifahren (ohne Anstehen, aber inklusive Liftfahrten): Gerade mal 255kcal. Also inklusive Grundumsatz die Anzahl Kilokalorien, die man auch beim «Nichtstun» verbrennt.

Andere Messmethoden kamen auf ähnlich magere Ergebnisse:

  • Garmin Fenix 3: 231 kcal/h
  • Actiheart: 273 kcal/h.

Skifahren lohnt sich trotzdem

Skifahren macht nicht nur Spass, sondern ist auch förderlich für die Gesundheit. Welchen Effekt der Sport auf unser Herz-Kreislauf hat, erklärt Sportwissenschaftlerin Rahel Gilgen-Ammann von der eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) im Video:

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Skifahren ist gesund

0:37 min, vom 6.2.2017

Verbrennen alle gleich viel?

Natürlich ist für den Kalorienverbrauch nebst Fahrstil und Fahrkönnen auch der persönliche Grundumsatz ausschlaggebend. Überraschenderweise ist schnelleres Fahren aber nicht automatisch gleichbedeutend mit höherem Energieverbrauch – denn wer schneller unten ankommt, verbringt proportional gesehen auch mehr Zeit im Sessellift.

Im «Puls»-Versuch wurde 15 Minuten lang effektiv Ski gefahren und 45 Minuten auf der Bahn gesessen. In Studien wird dagegen von 20 bis 30 Prozent reiner Fahrzeit ausgegangen.

Fährt man nun schneller, ist man bei einer Abfahrt beispielsweise nur vier statt sieben Minuten aktiv. Geht es um einen möglichst hohen Kalorienverbrauch, liegen schlechtere Skifahrer also zur Abwechslung mal vorn. Um zünftige Skihütten-Kost auszugleichen reicht das aber trotzdem bei weitem nicht...

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