Die Schweiz von ihrer wilden Seite

«Die Schweiz ist kaum mehr richtig wild, höchstens noch verwildert», sagt der ehemalige Bündner Jagdinspektor Georg Brosi. Laut WWF sind weltweit über 60 Prozent der Wirbeltierarten in den letzten 50 Jahren verschwunden. Wir fragen deshalb: Braucht die Schweiz mehr Wildnis?

Wildnis in der Schweiz
Bildlegende: Gibt es in der Schweiz noch Platz für Wildnis? Amt für Jagd und Fischerei Graubünden

Bär, Wolf und Luchs haben in der Schweiz einen schweren Stand. Die Grossraubtiere sind zwar einigermassen willkommen, das aber nur auf Distanz. Sobald sie dem Menschen und seinem Lebensraum zu nahe kommen, sind Konflikte vorprogrammiert.

Kein Platz für richtige Wildnis

Aber auch den anderen Wildtieren geht es nicht anders. Im Kanton Graubünden gibt es aktuell rund 2000 Rothirsche zu viel, sie gefährden den Schutzwald. Im Jagdbanngebiet Säntis sind die Hirsche den Bauern ein Dorn im Auge, weil sie den Nutztieren das Grad wegfressen.

Da stellt sich die Frage: Haben wir denn überhaupt Platz für Wildnis? Laut einer neuen Studie der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness sind 17 Prozent der Schweiz Flächen mit «hoher Wildnisqualität». Heisst: Nicht gänzlich unberührt vom Menschen, aber immerhin mit wenigen menschlichen Einflüssen.

Nur kleine Flächen sind noch wirklich wild

Gast im Treffpunkt ist Georg Brosi, ehemaliger Jagdinspektor des Kantons Graubünden. Er hatte während seinen 17 Jahren im Amt immer wieder mit Konflikten zwischen der wilden Natur und dem Menschen zu tun und er sagt, richtige Wildnis gebe es in der Schweiz höchstens noch auf kleinen Flächen. Grossflächige Wildnis ohne Einfluss des Menschen gebe es kaum noch.

Was müsste denn geschehen, damit die Schweiz wieder wilder wird? Welche Kompromisse müsste der Mensch eingehen? Wir fragen Georg Brosi im wilden Treffpunkt.

Moderation: Sandra Schiess, Redaktion: Sabrina Lehmann