Sabrina (41) und Roger (46) Tschanz leben mit ihren fünf Kindern in einem Bauernhaus hoch über dem Bodensee in Rorschacherberg SG. Ihre Geschichte ist eine von Mut, Zusammenhalt – und einem Schicksalsschlag, der alles verändert hat. Roger hat eine seltene Erbkrankheit und kann seine Leidenschaft – das Lastwagenfahren – nicht mehr ausüben. Seine Frau Sabrina versucht tagtäglich, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Der nötige Umbau im Wohnbereich und in der Küche bleibt für die siebenköpfige Familie ein Traum – bis «Happy Day» bei ihnen klingelt.
2014 erwartet die Familie Nachwuchs, doch die Überraschung ist gleich vierfach: Sabrina bringt Vierlinge zur Welt – drei Mädchen und einen Buben. Zusammen mit der älteren Tochter Bianca ist die Familie Tschanz über Nacht zu siebt.
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Bild 1 von 3. Die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Weg Vierlinge zu bekommen, liegt bei 1:600'000. Bildquelle: Sabrina und Roger Tschanz .
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Bild 2 von 3. Die Medien interessierte sich auch für die Vierlinge. Bildquelle: Sabrina und Roger Tschanz .
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Bild 3 von 3. Bei Aeschbacher im Jahr 2015 gaben sie Preis, dass sie alle drei Tage 76 Windeln brauchen. Bildquelle: SRF.
Kurz nach dem Umzug von Steffisburg BE nach Rorschacherberg SG bekommt Roger eine Diagnose, die alles verändert. Roger ist leidenschaftlicher Lastwagenfahrer. Schon als kleiner Junge träumt er davon, eines Tages hinter dem Steuer eines grossen Lasters zu sitzen. Als Erwachsener lebt er diesen Traum – bis sein Körper streikt.
Nach Monaten mit unerklärlichen Beschwerden folgt die Diagnose: Roger leidet an einer seltenen Erbkrankheit, sein Kleinhirn schrumpft. Er wird früher oder später ein Pflegefall werden. Den Lastwagenschein muss er abgeben. «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen», sagt er. Das Fahren war nicht nur sein Beruf, es war sein Leben. Seither übernimmt Sabrina die finanzielle Verantwortung für die Familie. Sie arbeitet als Tagesmutter, damit sie zuhause ist, wenn Roger Hilfe braucht. Bis heute gibt es keine Therapie für seine Krankheit.
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Bild 1 von 7. Die Familie Tschanz kann das Haus in Rorschacherberg von Sabrinas Grosseltern übernehmen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 7. Im Esszimmer im Erdgeschoss verbringt die Familie am meisten Zeit. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 7. Jedoch ist die Küche, wo Roger oft für die Familie kocht, einen halben Stockwerk über dem Esszimmer. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 7. Dazu kommt: Die Küche ist für eine siebenköpfige Familie viel zu klein, die Geräte alt und teils defekt. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 7. Damit Roger auch in Zukunft in den oberen Stock und ins Schlafzimmer kommt, hat die IV einen Treppenlift finanziert. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 7. Das Elternzimmer bietet Roger wenig Erholung. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 7. Sabrina und Roger konnten das Haus beim Einziehen nie richtig räumen und es sammeln sich immer mehr Sachen an. Das Ganze wächst Ihnen über den Kopf. Bildquelle: SRF.
Das Haus der Familie Tschanz ist für Rogers Situation denkbar unpraktisch. Das Esszimmer, wo die Familie am meisten Zeit verbringt, liegt im Erdgeschoss – die Küche einen halben Stock höher. Jedes Mal, wenn Roger kocht, muss er die Treppen hoch- und runtersteigen, was je nach Tagesform kaum mehr möglich ist. Eine Schüssel Spaghetti kann er schlicht nicht hinuntertragen, das müssen die Kinder oder Sabrina übernehmen. «Für mich sind die grössten Probleme die Küche und das Esszimmer. Die Treppen sind halt auch eine Gefahr», erklärt Roger.
Auch das Elternschlafzimmer, das Roger an schlechten Tagen dringend als Rückzugsort brauchen würde, bietet kaum Erholung. Roger meldet sich bei «Happy Day» – nicht für sich, sondern für Sabrina: «Ich möchte etwas zurückgeben, denn ohne sie würde hier nichts laufen.»
Bevor der eigentliche Umbau beginnt, steht eine ungewöhnliche Aktion auf dem Programm. Das Team von «Happy Day» räumt zwei überfüllte Zimmer komplett aus und legt sämtliche Gegenstände in einem grossen Raum auf dem Boden aus – übersichtlich, alles auf einen Blick.
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Bild 1 von 3. Architekt Andrin Schweizer, der für den Umbau verantwortlich ist, will der Familie Tschanz beim Ausmisten helfen, damit sie sich einen Überblick verschaffen kann. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Endlich ist Zeit, um sich von Altlasten zu trennen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Sabrina sieht die Aktion als Erleichterung. Bildquelle: SRF.
Die Familie Tschanz sieht zum ersten Mal, was sich bei ihnen alles angesammelt hat. Die Familie trennt sich von rund zwei Dritteln ihrer Sachen. Was noch in gutem Zustand ist, kommt ins Brockenhaus. «Für mich eine sehr grosse Erleichterung», sagt Sabrina.
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Bild 1 von 8. Eine neue Küche für die Familie Tschanz. Hinten links entstand sogar eine kleine Nische für Sabrina, in der sie – mitten im Familienleben – wieder nähen kann. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 8. Helle Töne und viel Platz – in dieser Küche kann die Familie gemeinsam Zeit verbringen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 8. Die Wand zwischen Büro und Esszimmer wurde entfernt, um den Raum zu öffnen. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 8. Die Küche wird an die hintere Wand platziert. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 8. Neben der Küche – im alten Esszimmer – befindet sich nun ein gemütliches Wohnzimmer. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 8. Die Sitzecke für die siebenköpfige Familie ist wenige Schritte von der Küche entfernt. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 8. Auch das Elternschlafzimmer hat Architekt Andrin Schweizer mit viel Feingefühl neu gestaltet. Bildquelle: SRF.
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Bild 8 von 8. Roger und Sabrina freuen sich auf einen Neustart in ihrem Haus. Bildquelle: SRF.
Die Wand zwischen dem ehemaligen Esszimmer und dem Büro im Erdgeschoss fällt. Entstanden ist eine grosszügige Wohnküche mit Essecke und Stube – hell, offen und praktisch. Roger muss keine Treppen mehr steigen, wenn er kocht. Auch das Elternschlafzimmer wird neu gestaltet, es ist nun ein ruhiger Ort zum Verschnaufen. Sabrina fasst zusammen, was der Umbau für die Familie bedeutet: «Es ist wirklich ein Riesengeschenk.»