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Paartherapeutin erklärt Warum verlieben wir uns?

Die Komplexität der Partnerwahl lasse sich auf verschiedene Faktoren herunterbrechen, die sowohl auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch auf praktischen Erfahrungen beruhen, erzählt Paar- und Psychotherapeutin Ramona Zenger.

Ramona Zenger

Ramona Zenger

Psycho- und Paartherapeutin

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Ramona Zenger ist Psychotherapeutin am Institut für systemische Psychologie und Psychotherapie Zürich (ISPP) und begleitet die SRF Sendung «Deep Dating» als Paartherapeutin für die Teilnehmenden.

1. Gemeinsamkeiten

So simpel kann es manchmal sein. Eine starke Basis für jede Beziehung seien gemeinsame Interessen, Aktivitäten und Erfahrungen. Zenger betont, dass «je ähnlicher diese Werte, Vorstellungen, Interessen und emotionale Kompatibilität sind, desto weniger Konfliktpotenzial hat eine Beziehung».

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Wenn beide Partner beispielsweise grossen Wert auf die Familie legen oder gerne Sport treiben, stärkt dies das Fundament der Beziehung. Wenn aber eine Person aus Überzeugung mit dem Velo in die Stadt fährt und die andere mit dem Auto, könne dies beispielsweise längerfristig zu Spannungen führen.

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Es gibt auch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Ähnlichkeiten über die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale von Bedeutung sind. So haben Paulina Jocz und ihre Kollegen von der Universität Warschau 2018 in einer Studie mit heterosexuellen Paaren gezeigt, dass Frauen in ihrer Beziehung glücklicher waren, wenn sie und ihr Partner denselben Chronotyp aufwiesen (d. h. ob sie Morgen- oder Abendmenschen sind). Sie fanden auch heraus, dass beide Geschlechter sexuell zufriedener waren, wenn sie eine gemeinsame Vorliebe für den Zeitpunkt des Sex am Tag hatten.

2. Oxytocin

Neben den gemeinsamen Interessen spiele aber auch die Anziehungskraft eine wesentliche Rolle. Zenger erklärt: «Am Anfang ist es cool, wenn man unterschiedlich ist. Wenn man zusammenkommt, schütten wir Oxytocin aus und unser Verbindungsbedürfnis ist aktiviert.»

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Gegensätze ziehen sich doch an?
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Dies könne dazu führen, dass man gewisse Spannungen oder Unterschiede zunächst ignoriere und als spannend abstempele. Für Ramona Zenger gilt eher das Sprichwort: «Gleich und gleich gesellt sich gern».

3. Kommunikation und Vertrauen

Ein weiteres zentrales Element sei die Kommunikation. «Kommunikation – und Verständnis, um Konflikte zu lösen,» ist laut Zenger essenziell für eine stabile Beziehung. Zum Beispiel, wenn eine Person in ihrer Art zu kommunizieren eher Bedürftigkeit und Abhängigkeit signalisiert und die andere helfend reagiert. Das komplementiere sich und sorge für noch mehr Schmetterlinge im Bauch.

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Vertrauen und Zuverlässigkeit sind ebenfalls unabdingbar: «Deshalb lohnt es sich, pünktlich an ein Date zu erscheinen.» Wenn man zu spät erscheint, könne das Sicherheitsgefühl der wartenden Person negativ beeinflussen.

4. Passender Bindungsstil

Die Wahl des Partners sagt viel über die eigene Persönlichkeit und das Selbstbild aus. Wenn man einen Partner wählt, der einen wertschätzt und respektiert, deute dies auf ein gesundes Selbstwertgefühl hin. Zenger betont: «Wenn das Selbstwertgefühl nicht so stabil ist, lässt man sich eher auch schlechter behandeln.»

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In der Paartherapie ist der Bindungsstil auch ein wichtiges Thema: Wähle ich jemanden, der autonom ist, oder bevorzuge ich Zweisamkeit? Diese Fragen spiegeln oft tieferliegende emotionale Themen wider. Ramona Zenger meint, am wichtigsten wäre nicht, dass man schon perfekt und «geheilt» sei, wenn man eine neue Beziehung eingehe, sondern dass man gewillt sei, an sich zu arbeiten.

SRF zwei, Deep Dating, 03.06.2024, 22:30 Uhr ; 

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