Mit «Fun Fatale» startete SRF am 3. Mai ein neues Stand-up-Format am Sonntagabend. Gastgeberin ist Andrea Fischer Schulthess, Leiterin des Theaters «Millers» in Zürich. Die Sendung will weiblichen Comedians eine Bühne geben – und die Vielfalt der Szene sichtbarer machen.
SRF: Hat sich die Comedy-Szene in den letzten Jahren verändert?
Andrea Fischer Schulthess: Ja, total. Man gewöhnt sich jetzt daran, dass Frauen auf der Bühne stehen und ihre Meinung sagen. Das war ja lange nicht selbstverständlich. Ich habe wirklich das Gefühl, es bekommt gerade ein Momentum.
Wieso trauen sich aktuell mehr Frauen auf die Bühne?
Es gibt einige Beispiele von Frauen, die in der Schweiz durchgestartet sind – etwa Jane Mumford, Patti Basler oder Lisa Christ. Sie haben Vorbildcharakter für neue Talente.
Frauen werden schon noch etwas strenger unter die Lupe genommen.
Die erste zu sein, ist immer hart. Patti Basler hat da sehr viel Vorarbeit geleistet. Jetzt sehen viele: Es geht – und trauen sich eher.
Wieso hat es so lange gedauert?
Weil man Frauen auch zuerst die Bühne geben muss. Dieser Satz «Wir würden mehr Frauen buchen, wenn es mehr gäbe» – da muss man sagen: Damit es mehr gibt, muss man sie einladen. Man muss wahrnehmen, dass sie existieren. Das entwickelt sich jetzt. Aber Frauen werden schon noch etwas strenger unter die Lupe genommen, da bin ich recht sicher.
Gibt es in der Comedy typische «Frauenthemen»?
Für mich gibt es keine Frauenthemen – es gibt Menschenthemen. Es war lange völlig okay, dass Männer sehr intime Sachen auf der Bühne besprechen, ohne dass jemand fragt, ob das alle interessiert. Bei Frauen kommt schnell die Bemerkung auf, sie würden über Frauenthemen sprechen. Dabei hören wir den Männern ja auch zu – es sollte ein gegenseitiges Interesse sein.
Wie werden Comedy-Inhalte für die Bühne entwickelt?
Viele beginnen sehr autobiografisch, mit ihrer eigenen Perspektive. Das sieht man auch bei jungen, POC oder queeren Menschen. Am Anfang hast du das Bedürfnis, deine Situation auf die Bühne zu bringen. Irgendwann kommt aber der Punkt, wo du sagst: Ich will auch über anderes reden. Und dann wird es richtig spannend, wenn sich der Blick öffnet.
Braucht es einfach Zeit für die Gleichstellung in der Comedy-Szene?
Zeit allein reicht nicht. Es braucht auch Menschen, die die Initiative ergreifen. Mit Zeit allein hätten wir auch kein Frauenstimmrecht. Der Zeitgeist spielt eine Rolle, aber er wird auch von Individuen geprägt. Es braucht beides – Zeit und den Willen, sich darauf einzulassen.
Eine reines Frauenteam
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Bild 1 von 4. Das Team hinter den Kulissen von «Fun Fatale» (v.l.n.r.): Noemi Aeschlimann, Marike Löhr, Andrea Fischer Schulthess, Fabienne Hadorn, Simone Kern, Alexandra Steck. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
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Bild 2 von 4. Gastgeberin Andrea Fischer Schulthess (r.) und eine Kamerafrau (l.) der Produktionsfirma bei den Dreharbeiten. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
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Bild 3 von 4. Noemi Aeschlimann ist Showrunnerin und führt die technische Regie bei «Fun Fatale». Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
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Bild 4 von 4. Die Produktionsfirma setzt für «Fun Fatale» auf ein reines Frauenteam –von der Produzentin über die Regisseurin und Set-Runnerin bis zur Kamerafrau. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
Was bedeutet dir die neue Sendung «Fun Fatale»?
Sehr viel. Es freut mich extrem, dass man verstanden hat, wie wichtig das ist und dass man das jetzt macht. Noch braucht es diese Förderung, aber ich hoffe, es ist eine Transitphase. Irgendwann spielt es keine Rolle mehr, wer dort vorne steht – sondern einfach, ob mich jemand gut unterhält.
Das Gespräch führte Larissa Sterchi.