Der 31. Dezember 2024 war ein Jubeltag für Fribourg-Gottéron. In Davos schossen die «Drachen» die Straubing Tigers mit 7:2 aus dem Stadion und gewannen den Spengler-Cup-Final. Endlich war der 1937 gegründete Klub nicht mehr titellos.
Gleichwohl wurden die Saanestädter in Bern, Zürich oder Lugano weiterhin belächelt. Schliesslich war es «nur» der Spengler Cup. Das «Label der Erfolglosen» blieb daher an den Freiburgern haften. Dieses hatten sie nach vier Playofffinal-Niederlagen und insgesamt fünf Vizemeisterschaften verpasst bekommen.
Doch seit dem 30. April 2026 ist Gottéron das Label los. Dank dem 3:2-Erfolg nach Verlängerung in der «Finalissima» in Davos ist Freiburg der 8. Klub, der sich in der Playoff-Ära (seit 1985/86) Schweizer Meister nennen darf.
Rönnberg bringt den Erfolg
Der Freiburger Erfolg ist vielschichtig. Das wichtigste Puzzleteil steht wohl an der Bande. Mit Roger Rönnberg wurde bereits im Mai 2024 (!) ein hochdekorierter Coach verpflichtet, der seine Arbeit im Sommer 2025 aufnahm. Der 54-Jährige sollte schaffen, was seinen Vorgängern nicht gelang: den dienstältesten NL-Klub (Gottéron ist seit 1980 erstklassig) zum Titel führen. Und der Schwede lieferte.
Der mehrfache Champions-League-Sieger und Meister mit Frölunda scheint den Freiburgern die in der Vergangenheit oft vermisste Siegermentalität eingeimpft zu haben. Diese trat vor allem in den «Do or die»-Spielen hervor. Im Viertelfinal gegen die Lakers lagen die Saanestädter 2:3 hinten – und setzten sich in Spiel 7 noch in der Verlängerung durch. Auch im Final gegen Davos lag man 2:3 zurück und drehte die Serie noch.
Ausfälle mit Jugend kompensiert
Auf dem Eis konnte Freiburg ebenfalls auf schwedische Qualität zählen. Gleich fünf Tre-Kronor-Importe liefen für die «Drachen» auf. Darunter mit Marcus Sörensen und Lucas Wallmark die Schlüsselspieler. Die «schwedischen Zwillinge» brillierten Seite an Seite, Sörensen wurde nach langer Verletzungspause während den Halbfinals wieder fit.
Apropos Verletzungspause: Was den Triumph noch erstaunlicher macht, ist die Tatsache, dass Gottéron in der entscheidenden Phase auf seine beiden Nati-Spieler und Teamstützen Sandro Schmid (Angriff) und Andrea Glauser (Verteidigung) verzichten musste. Schmid verpasste die Playoffs komplett, Glauser machte nur drei Spiele.
Hier zeigte sich, dass beim Quali-Zweiten auch die Breite stimmt. Und dass Rönnberg auf die Jugend setzt. Jamiro Reber, Maximilian Streule, Jan Dorthe oder Attilio Biasca – alles Spieler mit Jahrgängen 2003 bis 2006 – bekamen selbst in den Playoffs viel Eiszeit und zahlten das Vertrauen mit Leistung zurück.
Gut aufgestellt und in der Region fest verankert
Im Tor war Reto Berra in seiner achten und letzten Saison in Freiburg der sichere Rückhalt. Auch gilt es Klub-Ikone Julien Sprunger zu erwähnen. Mit 40 Jahren und weit über 1000 Spielen für Gottéron in den Beinen ist er zwar nicht mehr der Schnellste. Doch in den Playoffs war Sprunger zur Stelle und steuerte wichtige Tore bei.
Letztlich ist Freiburgs Erfolg auch ein Erfolg der Wirtschaftlichkeit. Auf ein Budget wie es z.B. die ZSC Lions haben, kommt Gottéron zwar nicht. Aber der Klub ist gut aufgestellt, in der Region fest verankert und beliebt bei den Sponsoren. Und die «Drachen» können auf eine treue Anhängerschaft zählen (101 ausverkaufte Heimspiele in Folge). Nicht zuletzt den Fans ist es zu gönnen, dass es endlich geklappt hat mit dem Meistertitel.