So deutlich das Verdikt mit 4:1 Siegen zugunsten der Bündner im Playoff-Halbfinal aussieht, ganz so klar war die Angelegenheit zwischen Qualisieger Davos und Titelverteidiger ZSC Lions nicht. Im Gegenteil: In 4 der 5 äusserst engen und umkämpften Partien wiesen die Zürcher mehr Torschüsse auf, kamen jeweils auf 39 oder mehr Abschlüsse.
So war für ZSC-Trainer Marco Bayer der Grund für das Scheitern im Playoff-Halbfinal schnell klar: «Das ist das, was ich der Mannschaft vorwerfen kann. Sie hat die Chancen nicht gemacht.»
Das sieht auch Verteidiger-Routinier Patrick Geering so: «Es ist enttäuschend, dass wir es nicht geschafft haben, die Tore zu schiessen. Wir hätten genug Chancen gehabt. Und Powerplays hatten wir auch zuhauf, wo wir den Unterschied hätten machen können.»
Malgin als Sinnbild
Sinnbildlich für das Abschlusspech steht Denis Malgin, der in der Viertelfinal-Serie gegen Lugano mit 9 Punkten (3 Tore) in 4 Spielen überragte, in den 5 Spielen gegen Davos im Halbfinal dann aber ohne Skorerpunkt blieb. Ihm war die Absenz seines kongenialen Sturmpartners Sven Andrighetto (verletzt) deutlich anzumerken.
Wir sind im Halbfinal gegen einen sehr guten Gegner ausgeschieden. Das verdient Respekt.
Aber nicht nur Malgin, auch seine Teamkollegen scheiterten reihenweise am überragend aufspielenden HCD-Keeper Sandro Aeschlimann, der sein Gegenüber Simon Hrubec im Torhüter-Duell klar ausstach. «‹Aeschli› war überragend», fasste es HCD-Stürmer Tino Kessler treffend zusammen.
Eine gewisse Sättigung «menschlich»
Mit ein bisschen mehr Effizienz im Abschluss wäre für die Lions wesentlich mehr dringelegen. Deshalb wollte Geering auch nichts davon wissen, dass den Zürchern nach 2 Meistertiteln in Folge der Hunger gefehlt habe. «Wir haben uns vorgenommen, es das 3. Mal in Serie zu schaffen. Die Motivation war da. Wir hatten uns eine einzigartige Situation geschaffen, das war Grund genug, um aus dem Vollen zu schöpfen.»
Wir dürfen nun dieses Gefühl in der Magengrube nach solch einer schmerzlichen Niederlage nicht vergessen.
Bayer hingegen findet es durchaus menschlich, dass nach so vielen Erfolgen in jüngster Vergangenheit eine gewisse Sättigung einsetzt. «Wenn du zweimal Meister wirst, ist es nicht so einfach», so der 53-Jährige. Andere Teams seien nach Titelgewinnen irgendwo im Niemandsland untergegangen. «Meine Mannschaft hat aber Charakter bewiesen. Wir sind im Halbfinal gegen einen sehr guten Gegner ausgeschieden. Das verdient Respekt.»
Nur der Final ist gut genug
Klar ist aber, dass ein Halbfinal-Aus nicht den Ambitionen der «Löwen» genügt. «Zürich hat den Anspruch, Meister zu werden oder zumindest im Final zu stehen», so Bayer.
Dem pflichtet auch Geering bei: «Als ZSC willst du immer vorne mitspielen.» Deshalb fordert der Captain: «Wir dürfen nun dieses Gefühl in der Magengrube nach solch einer schmerzlichen Niederlage nicht vergessen. Damit wir nächstes Jahr wieder angreifen können.»