«Er ist derzeit das grösste Talent in den Reihen des EHC Biel und eines der grössten in der Vereinsgeschichte», schreibt das Bieler Tagblatt über Jonah Neuenschwander. Die Lobeshymne auf das Eigengewächs, das aus dem Vorort Orpund stammt, ist keinem übertriebenen Lokalpatriotismus geschuldet. Denn dass der Flügel grosses Potenzial hat, ist auch andernorts schon aufgefallen. Nicht umsonst wurde er im letzten Dezember zum jüngsten Schweizer an einer U20-WM.
Matchwinner gegen Ajoie
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr feierte Neuenschwander als damals 15-Jähriger seine Feuertaufe in der National League. Seither wurde er behutsam weiter an die erste Mannschaft des EHCB herangeführt. Im Spiel gegen Ajoie erreichte er am letzten Mittwoch einen weiteren Meilenstein. Beim 4:3 nach Verlängerung erzielte er seine ersten beiden Treffer in der höchsten Schweizer Liga. Wie bereits beim 0:6 gegen Lugano in der Partie zuvor wurde er zum besten Spieler seines Teams gekürt.
«Es war ein unglaubliches Gefühl. Ich habe mich sehr gefreut», blickt Neuenschwander zurück. Nun gelte es, den Schwung mitzunehmen, oder in seinen Worten: «Es nicht zu fest in den Kopf steigen lassen und einfach so weitermachen, dann kommt es gut.»
Filander schwärmt – und sieht noch viel Luft nach oben
Die Gefahr, dass Neuenschwander abheben könnte, ist gemäss seinem Coach ohnehin gering. «Er ist bodenständig, hungrig und lernbegierig», sagt Martin Filander. Der Schwede will die Unbekümmertheit des Teenagers nutzen und ihn nicht mit zu vielen Inputs und Informationen überfordern.
Er ist noch gross und schlaksig, aber er wird an Masse zulegen.
Trotz der Körpergrösse von 1,91 m bringe sein Schützling viel Tempo mit. Von anderen Jungtalenten hebe ihn seine Spielintelligenz ab. «Er kann das Spiel gut lesen und denkt nicht nur an die Offensive, wie es für viele Stürmer in seinem Alter typisch ist.»
Bei allen hervorragenden Anlagen sieht Filander in vielen Bereichen noch Entwicklungspotenzial. Vor allem in körperlicher Hinsicht: «Er wird sicher an Masse zulegen. Er ist noch gross und schlaksig, aber das wird ganz natürlich kommen.»
Haas als Musterbeispiel
Ob Neuenschwander das Versprechen einer grossen Karriere einlösen kann, wird von vielen Faktoren abhängen. Dass der Sprung aus Biel in die grosse Hockeywelt gelingen kann, hat zum Beispiel sein mehr als doppelt so alter Teamkollege Gaëtan Haas gezeigt. Der 33-Jährige brachte es zum NHL- und Nationalspieler.