Im Spitzensport gibt es heutzutage für alles Statistiken, das ist im Eishockey nicht anders. Die einen Experten schwören auf die sogenannten «Advanced Stats», andere bedienen sich dieser eher mit Bedacht.
Davos macht mehr aus weniger
Die Playoff-Halbfinal-Serie zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions liefert den Beweis, dass Zahlen alleine nicht über Sieg oder Niederlage entscheiden. Denn wäre dem so, müssten die Zürcher im Best-of-7 mit 3:1 führen und nicht mit 1:3 in Rücklage liegen.
Der Meister der beiden letzten Jahre hat in drei der bisherigen vier Halbfinal-Partien einen höheren Expected-Goal-Wert, sprich: Der ZSC hätte gemessen an Anzahl und Qualität der Chancen mehr Tore als Davos erzielen müssen. So auch in Spiel 4 am Freitag. Zwar war der Unterschied bei den Expected Goals in diesem Fall nur minim (3,38 zu 3,23), allerdings flossen bei den Lions deutlich mehr Chancen in die Sparte «hohe Torgefahr» ein (13:5).
Goalie als X-Faktor
Damit wären wir beim Faktor-X im Eishockey, speziell in den Playoffs, angelangt. Und das ist ohne jeden Zweifel der Goalie. Man kann sich noch so viele «High Danger Chances» erarbeiten; wenn der gegnerische Schlussmann den Laden dicht macht, wird es für jedes Team kompliziert, auch für den ZSC.
Das Goalie-Duell zwischen Sandro Aeschlimann und Simon Hrubec geht bisher klar an den Davoser. Hrubec spielt zwar solid, das genügt aktuell gegen einen überragenden Aeschlimann aber nicht. Der HCD-Goalie hat in der laufenden Serie statistisch gesehen schon 4,35 erwartbare Tore verhindert, während dieser Wert bei Hrubec plus minus neutral ist, also bei 0 steht.
Findet Bayer noch die richtige Formel?
Trotz durchaus grosser Spielanteile schaffte es der ZSC – mit Ausnahme von Spiel 2 – bisher zu selten, die HCD-Defensive und Goalie Aeschlimann zu überlisten. Die Davoser haben ein Mittel gefunden, mit Denis Malgin den wichtigsten Zürcher Offensivspieler zu neutralisieren. Malgin steht nach vier Halbfinal-Partien noch immer ohne Skorerpunkt da und vermisst seinen kongenialen, aber weiter verletzten Linienpartner Sven Andrighetto schmerzlichst.
ZSC-Coach Marco Bayer hat den richtigen Ersatz für Andrighetto im Parade-Sturm neben Malgin und Rudolfs Balcers noch nicht gefunden. Weder mit Harrison Schreiber (Spiele 1 bis 3) noch mit Justin Sigrist (Spiel 4) funktionierte es wunschgemäss. Bayers nächster Zug am Sonntag muss passen, ansonsten droht der Titel-Hattrick zu platzen – oder kehrt Andrighetto doch noch zurück?