Neun Siege in neun Spielen, alle in 60 Minuten. 48 geschossene Tore, nur acht Gegentreffer. Das beste Team im Über- und Unterzahlspiel. Die höchste Goalie-Abwehrquote: Statistiken mögen manchmal trügerisch sein. In diesem Fall sind sie es aber nicht. Die Schweiz ist bisher das ausgeglichenste, effizienteste, ja schlicht und einfach beste Team dieser WM.
Keine klare Rollenverteilung
Und doch gibt es keine Garantie, dass die Nati-Spieler am Sonntagabend gegen 23 Uhr die Goldmedaille um den Hals tragen. Finnland ist ein Final-Gegner auf Augenhöhe, dies hat das Direktduell in der Vorrunde am vergangenen Dienstag gezeigt. Am Ende setzte sich die Schweiz mit 4:2 durch, doch der Spielausgang war bis in die Schlussminuten komplett offen. Mit Ausnahme des Gastgebers haben die Finnen alle anderen Gegner geschlagen, zuletzt im Halbfinal auch Topfavorit Kanada.
Ein Gruppenspiel ist nicht zu vergleichen mit einem WM-Final, das wissen die Schweizer selbst am besten. 2024 und 2025 besiegte die Nati in der Gruppenphase Tschechien respektive die USA, ehe es im Final andersrum war.
Einmalige Chance
In Zürich aber wird eine neue Geschichte geschrieben. Eine, welche nur so nach einem Happy End schreit. Ja, die Schweiz steht am Sonntag nicht zum ersten Mal in einem WM-Final. Es ist sogar der dritte in Serie. Und doch lässt sich aus verschiedenen Gründen sagen: Die Nati steht vor dem grössten Spiel in der Geschichte des Schweizer Eishockeys.
- Ein WM-Titel ist immer speziell. Ein WM-Titel zuhause ist noch spezieller – und der erste überhaupt wäre es auch noch.
- Die Schweiz stellt an der Heim-WM das im Durchschnitt älteste aller Kader. Wichtige Stützen der goldenen Spieler-Generation wie Roman Josi (35), Nino Niederreiter (33) oder Leonardo Genoni (38) befinden sich im Karriere-Herbst. Das Zeitfenster der Schweiz, um den Gold-Traum zu realisieren, neigt sich (vorerst) dem Ende zu.
- Die Euphorie rund um das Schweizer Nationalteam war noch nie so gross wie in der Gegenwart. 10'000 Leute im Stadion, weitere 10'000 in der Fanzone und Abertausende auf den Strassen und vor den Bildschirmen fiebern mit der Mannschaft mit.
Durch dick und dünn
Es gibt noch etwas, das den WM-Final in Zürich etwas spezieller macht als jene Endspiele der Schweizer zuvor: die Vorgeschichte.
Es ist noch keine sieben Wochen her, als die Nati mit Patrick Fischer aus allseits bekannten Gründen ihr Aushängeschild verlor. Fischer hatte die Mannschaft während zehn Jahren geprägt. Er war es, der den Spielern den Glauben an den WM-Titel eintrichterte. Eigentlich wollte Fischer an der Heim-WM sein Vermächtnis vergolden, doch ein Fehler aus der Vergangenheit holte ihn ein.
Von einem Tag auf den anderen und früher als geplant übernahm Jan Cadieux Fischers Vermächtnis. Nun ist er, der zur WM-Vorbereitung noch als Assistenzcoach eincheckte, mit der Nati noch einen Sieg davon entfernt, die bedeutendste und schönste Geschichte im Schweizer Eishockey überhaupt zu schreiben.