Der Begriff Weltenbummler wird im Fussball inflationär verwendet. Kaum hat ein Profi bei vier Klubs in drei verschiedenen Ländern gespielt, gilt er als solcher. Doch bei Armando Sadiku ist die Bezeichnung gerechtfertigt. Der Mittelstürmer hat in 17 Profijahren für 17 Klubs in 8 Ländern auf 3 Kontinenten gekickt.
Nicht nur geographisch ist Sadiku auf der Erde herumgekommen. Er hat Heimspiele schon auf Meereshöhe und auf über 4000 m ausgetragen. Wo andere tauchen oder bergsteigen, ging Sadiku auf Torejagd.
Seit Sommer 2025 läuft Sadiku in der Challenge League für die AC Bellinzona auf (5 Tore). Für den Albaner schliesst sich im Tessin ein erster Kreis, ein zweiter soll 2027 folgen. Aber der Reihe nach.
Auf 4000 m stösst er an seine Grenzen
Die ersten Jahre als Profi verbrachte Sadiku in seiner Heimat Albanien, ehe er 2011 in die Schweiz zu Locarno wechselte. In den folgenden 8 Jahren machte er sich vor allem bei Lugano und dem FC Zürich einen Namen, lief in dieser Zeit aber auch kurz für Vaduz (LIE), Legia Warschau (POL) und Levante (ESP) auf.
Richtig abenteuerlich wurde es in den letzten 5 Jahren. Nach verschiedenen Engagements in Spanien wechselte Sadiku erst in die Türkei und später nach Bolivien und Indien. Von diesen beiden Stationen stammen denn auch die spannendsten Geschichten des Weltenbummlers.
In Bolivien spielte der Cousin von Granit Xhaka für Bolivar La Paz. Je nach Stadion trug der Verein seine Heimspiele auf zwischen 3700 und knapp 4200 Metern über Meer aus. Eine Herausforderung für alle Nicht-Bolivianer. Auch für Sadiku. «Ich habe mich nie ganz wohl gefühlt in dieser Höhe. Ich hatte Mühe mit dem Atmen. Nach 2 Runden um den Fussballplatz war ich schon todmüde», erzählt er.
Der Wechsel nach Indien – die beste Entscheidung
Sein Engagement dauerte denn auch – wie so oft in Sadikus Karriere – nur ein halbes Jahr. Der 39-fache albanische Nationalspieler kehrte für 2 Saisons nach Spanien zurück, ehe es ihn wieder in die weite Welt zog. Nächste Station: Mohun Bagan Super Giant in Indien.
«Die ersten Monate waren schwierig, denn es ist eine ganz andere Kultur. Doch danach war es sehr schön, die Leute sind sehr gastfreundlich», erzählt Sadiku. Er sei in Indien sehr gut bezahlt worden und habe in den besten Hotels gelebt wie ein König. Den Wechsel nach Indien bezeichnet Sadiku rückblickend als die beste Entscheidung in seiner Karriere.
Nach einer Saison bei Mohun Bagan schloss sich Sadiku im Sommer 2024 dem FC Goa an. Dort war nach 10 Toren in 24 Spielen nach 9 Monaten Schluss. Sadiku wäre gerne länger in Indien geblieben, aber seine Familie wollte zurück nach Europa.
Seine Karriere in 2 Worten: «Mamma mia!»
Nun ist Sadiku also zurück im Tessin, ein Kreis ist geschlossen. Sein Vertrag bei der ACB läuft bis 2027. Danach möchte Sadiku seine erstaunliche Karriere in Albanien, dem Land seiner Eltern, beenden. Womit sich ein zweiter Kreis schliesst.
Mit Blick auf seine Laufbahn sagt Sadiku: «Ich durfte so viele verschiedene Erfahrungen machen. Das ist für mich ein grosser Gewinn und wird mir auch nach meiner Aktivkarriere weiterhelfen.» Was wohl ein Aussenstehender mit Blick auf seine Karriere sagen würde? Sadiku weiss es: «Mamma mia!»