Gebannt blickten Staff und Spieler des FC Vaduz in Wil auf den Smartphone-Screen. Dort sahen sie, wie Aarau in den letzten Minuten immer wieder anlief, den 3:2-Siegtreffer und damit den direkten Aufstieg in die Super League zu erzwingen versuchten. Doch vergeblich. Und während im Brügglifeld der Schlusspfiff für immense Ernüchterung sorgte, brachen 74 Kilometer östlich alle Dämme. Die Vaduzer sprinteten zu den mitgereisten Fans. Fünf Jahre in der Challenge League sind genug, im Schweizer Oberhaus mischt nach einer verrückten Saison künftig wieder der Liechtensteiner Branchenprimus mit.
Man muss auch Aarau ein grosses Kompliment machen.
Trainer Marc Schneider freute sich und gestand: «Ich habe die Schlussminuten bei Aarau nicht geschaut. Man kann es ja nicht beeinflussen und es kommt, wie es kommt.» Trotz des ganz grossen Stolzes auf sein Team gab er an, den Spielern den Vortritt beim Feiern lassen zu wollen. Fraglich, ob ihn seine Equipe so billig davonkommen lässt. Schon während des Interviews wurde Schneider lautstark gefeiert.
«Überglücklich», war Nicolas Hasler. Der Routinier liess es sich zugleich nicht nehmen, dem Konkurrenten die Ehre zu entbieten: «Spannung bis zum Schluss! Man muss auch Aarau ein grosses Kompliment machen, wie sie es gemacht haben.» Hasler habe bis zum Schluss an die Qualitäten des Teams geglaubt. Mit dem Ausgang: «Wir sind zurück!»
Aarau: Aufstehen statt heulen
Bei Aarau wollte man sich derweil nicht lange mit der Enttäuschung aufhalten. Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt ohnehin nicht. Schon am Montag steht das Barrage-Hinspiel zu Hause gegen GC an. Verteidiger Marco Thaler meinte: «Ich weiss, was möglich gewesen wäre. Wir müssen uns so schnell wie möglich regenerieren – vom Kopf her, aber auch die Beine.» Der Captain gab die Marschrichtung vor: «Es gibt eine zweite Chance, und die gilt es zu nutzen.» Den Mitspielern habe er geraten, alles schnellstmöglich aus dem Kopf zu kriegen. «Wir haben schon viele Rückschläge zusammen durchgestanden.»
Goalie Marvin Hübel sprach hingegen von einer «riesigen Enttäuschung». Das 1:2 kurz vor der Pause sei «einfach dumm» gewesen. Es habe an Cleverness gemangelt, anschliessend sei Aarau das Spiel entglitten. Nun gebe es nur zwei Möglichkeiten: «Wir heulen, sind am Boden und haben keine Lust mehr. Oder wir stehen auf und hauen am Montag alles raus.» Man werde freilich Letzteres machen.