Kein Triumph in der «Königsklasse», ein frühes Ausscheiden in der Copa del Rey (Achtelfinal) und neun Punkte Rückstand in der Meisterschaft auf Barcelona – nach dem epischen Viertelfinal-Out in der Champions League gegen Bayern München ist Real Madrids Saison quasi vorbei.
Nachdem die stolzen Madrilenen bereits in der vergangenen Saison alle drei grossen Titel verpasst hatten, folgte in dieser Spielzeit also die nächste Schmach. Dabei hätte mit dem Engagement von Xabi Alonso im vergangenen Sommer alles besser werden sollen.
Alonsos Nachfolger, Alvaro Arbeloa, konnte dem launischen Starensemble auch nicht zu Konstanz verhelfen. Im Gegenteil: Seine Siegquote ist schlechter als die seines Vorgängers.
Wie gewohnt wenig Selbstkritik bei Real
Selbstkritik ist in Madrid nach dem spektakulären Rückspiel gegen Bayern München (3:4, 4:6 im Gesamtskore) – wie so häufig – kaum zu hören. Viel eher zeigt man mit dem Zeigefinger – wie so häufig – auf den Schiedsrichter. Dieses Mal wurde Slavko Vincic zum Sündenbock erklärt.
Die Ampelkarte für Eduardo Camavinga in der 86. Minute bezeichnete Arbeloa als «Ungerechtigkeit». Der Platzverweis sei «unerklärlich. Das versteht immer noch keiner. Alles, was meine Spieler auf dem Platz geleistet haben, wurde mit einer Aktion des Schiedsrichters weggeworfen.»
Dass Real zuvor bei zwei Szenen das Schiri-Glück auf seiner Seite hatte, wurde ausgeblendet. Ebenfalls der Umstand, dass Camavinga trotz Gelb-Vorbelastung zuerst Harry Kane foulte, dann den Ball zuerst mit dem Fuss mitnahm, ihn dann aufhob, damit weiterlief – und ihn erst dann zögerlich hergab. Die englische The Sun kommentierte die Szene als «Camavingas Moment der Dummheit».
Dass Arbeloa in der kommenden Saison auf dem Trainerstuhl der Blancos Platz nehmen wird, ist praktisch ausgeschlossen. Eine Saison ohne Titel zu beenden, ist in Madrid meist gleichbedeutend mit einer Entlassung. «Mich kümmert meine Zukunft nicht. Ich werde alle Entscheidungen, die vom Klub getroffen werden können, total verstehen», so der 43-Jährige.
Auch was das Kader angeht, dürfte es zu einigen Veränderungen kommen. Eine Personalie beschäftigt den «Madridismo» besonders: Vinicius Junior. Der Brasilianer zog in München einen schwachen Abend ein – und schnauzte Jude Bellingham an, der sich über eine verpasste Chance nervte. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie Vinicius den Engländer anfaucht: «Was willst du? Was willst du? Halt die Klappe!»
Vielen Real-Fans ist das Auftreten des 25-Jährigen ein Dorn im Auge. Präsident Florentino Perez hingegen scheint den Exzentriker weiterhin fest im Team der «Blancos» einzurechnen. Wer Vinicius kommende Saison trainieren wird, ist noch unklar. Etliche Namen geistern in den Madrider Sportgazetten herum, darunter Mauricio Pochettino, Didier Deschamps und Unai Emery.
Wer auch immer sich auf den wackligen Trainerstuhl im Bernabeu wagt, es wartet eine Menge Arbeit auf ihn.