Donnerstag, 23. Juli 2026: Diesen Tag werden die Akteure und Fans des FC St. Gallen wohl noch lange in Erinnerung behalten. Der 2:1-Triumph zuhause gegen das vermeintlich übermächtige Benfica Lissabon ist einer der grössten Erfolge der Vereinsgeschichte – auch wenn es «nur» das Hinspiel in der 2. Runde der Qualifikation zur Europa League war.
Zu gigantisch sind die Unterschiede zwischen den Ostschweizern und dem Traditionsklub aus Portugals Hauptstadt. Rekordmeister Benfica ist dekoriert mit 38 (!) Meistertiteln und gewann 1961 sowie 1962 den Europapokal der Landesmeister, die heutige Champions League. In der «Königsklasse» war Benfica in den vergangenen 5 Saisons immer zu Gast, 4 Mal reichte es dabei für die K.o.-Phase.
In der letzten Spielzeit kassierte das Team – damals noch unter Star-Coach José Mourinho, der mittlerweile zurück bei Real Madrid ist – keine (!) Liga-Niederlage. Weil aber Meister Porto und Stadtrivale Sporting Lissabon noch etwas besser waren, muss Benfica heuer mit der Europa League vorliebnehmen.
Gewaltige Aufgabe im Estadio da Luz
Nun ist die Qualifikation für eben diese Europa League aber arg in Gefahr. St. Gallen entschied das Hinspiel im Sitterstadion nicht unverdient mit 2:1 für sich. Trainer Enrico Maassen sprach nach dem Erfolg sogar davon, «nur» mit einem Tor Unterschied gewonnen zu haben. Ein Blick in die Statistiken verrät: Ganz so überlegen waren die St. Galler nicht.
Worauf der 42-jährige Deutsche aber hinauswollte, scheint klar. Eine der schwierigsten Aufgaben in der jüngeren St. Galler Vereinsgeschichte steht unmittelbar bevor: das Gastspiel im legendären Estadio da Luz. Das Finalstadion der EM 2004 bietet Platz für über 60'000 heissblütige Benfica-Fans.
Benfica schiesst sich in Testspiel warm
Von Benfica muss im Rückspiel eine Reaktion kommen. Nach der Hinspiel-Pleite war in portugiesischen Medien von einer «peinlichen Blamage» zu lesen. Marco Silva, der 49-jährige Nachfolger und Landsmann von Mourinho, wurde nach seinem 1. Pflichtspiel bereits hart angegangen.
Selbstvertrauen tankten zuletzt sowohl Benfica als auch St. Gallen. Während Silvas Team am Freitag ein Testspiel gegen Drittligist Belenenses mit 5:1 gewann, setzte sich der FCSG zum Super-League-Start trotz Rückstand gegen den FC Zürich mit 2:1 durch. Für Benfica geht die Meisterschaft erst am 9. August los.
Nicht zurückgreifen kann Maassen auf Lawrence Ati Zigi, der die aufgrund der Waldbrände im Süden Europas beschwerliche Reise nach Lissabon aufgrund einer Oberschenkelverletzung nicht antrat.
Hearts oder Sheriff?
Sollte sich St. Gallen tatsächlich nach Hin- und Rückspiel durchsetzen, würde in der 3. Quali-Runde wohl Heart of Midlothian warten. Die Schotten verloren in der 2. Quali-Runde der Champions League das Hinspiel bei Sturm Graz 0:4.
Bei einer St. Galler Niederlage gegen Benfica würde es in der 3. Quali-Runde der Conference League weitergehen. Dort hiesse der Gegner sehr wahrscheinlich Sheriff Tiraspol. Die Moldauer unterlagen im Hinspiel in der 2. Quali-Runde der Europa League Maccabi Tel Aviv (ISR) gleich 0:5.