«Gegen wen auch immer wir antreten: Neuseeland wird ein Team sein, das spielt, um zu gewinnen.» Wahrscheinlich schwang bei den Fans der neuseeländischen Nati durchaus eine gewisse Skepsis mit, als Neo-Trainerin Jitka Klimkova versprach, ihr Augenmerk auf die Offensive zu legen, auf Ballbesitz-orientierten Spielaufbau. Denn die Tschechin war als Aktive Verteidigerin gewesen. Und die Neuseeländerinnen hatten sich an Weltmeisterschaften eher den Ruf erarbeitet, primär auf eine gesicherte Defensive zu setzen. Und in Form von Kontern zu versuchen, Nadelstiche zu setzen.
Noch ist es Klimkova nicht gelungen, die Sturm-und-Drang-Phase einzuläuten. Seit September 2021 ist die 48-Jährige im Amt. Seither gab es erst zwei Vollerfolge, nur zweimal erzielte ihre Equipe mehr als 1 Tor (je 2 Treffer gegen Südkorea und die Philippinen). Zuletzt warteten die «Ferns» während 10 Partien auf einen Sieg. Auch die WM-Bilanz ist bescheiden. Aus 15 Auftritten an Weltmeisterschaften resultierten 3 Remis und 12 Niederlagen. Mit den Aussenseiterinnen Philippinen in der Gruppe ist die Chance auf einen Historien-Erfolg indes in Reichweite.
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Bild 1 von 12. Caroline Graham Hansen (28/Norwegen). Die technisch beschlagene Offensivkraft hat mit dem FC Barcelona alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Für Norwegen hat Graham Hansen 44 Tore erzielt, womit sie sogar die grosse Ada Hegerberg übertrifft. Bildquelle: imago images/Bildbyran.
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Bild 2 von 12. Ada Hegerberg (28/Norwegen). Sie gehört im Frauenfussball zu den prägendsten Spielerinnen ihrer Generation. Nicht weniger als 6 Mal gewann die Stürmerin mit Olympique Lyon die Champions League. Hegerberg absolvierte bereits die WM 2015. Vor 4 Jahren fehlte sie nach Differenzen mit dem norwegischen Verband und einem temporären Nationalteam-Rücktritt. Bildquelle: imago images/NTB.
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Bild 3 von 12. Lia Wälti (30/Schweiz). Der Anführerin kommt wie bei Arsenal auch in der Nati eine tragende Rolle zu. Auf die Organisation von Captain Wälti ist die Schweiz im Kampf ums Achtelfinal-Ticket angewiesen. Auch eine 10-tägige Auszeit nach «psychologisch schwierigen Wochen» im April und eine Knöchelverletzung im Mai konnten die 30-Jährige nicht aufhalten. Bildquelle: Keystone/Christian Merz.
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Bild 4 von 12. Ana-Maria Crnogorcevic (32/Schweiz). Sie ist die Frau für die Rekorde: Keine Schweizerin hat so viele Länderspiele absolviert, keine so viele Tore erzielt. Die Allrounderin Crnogorcevic ist sich gewohnt, auf dem Rasen viel Beachtung zu erfahren. So war sie im März 2022 im Barcelona-Trikot Teil des Rekordspiels gegen Real Madrid, zu dem über 91'000 Fans ins Stadion strömten. Bildquelle: Keystone/Christian Merz.
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Bild 5 von 12. Ali Riley (35/Neuseeland). Ihr macht keiner mehr was vor: Riley hat bereits an je 4 Olympischen Sommerspielen und Weltmeisterschaften teilgenommen. Auch das fortgeschrittene Alter der neuseeländischen Spielführerin tut ihrer Wichtigkeit für das Team keinen Abbruch. Weder im Nationalteam noch beim Angel City FC. Bildquelle: imago images/Sipa USA.
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Bild 6 von 12. Gabi Rennie (22/Neuseeland). Satte 13 Jahre jünger und mit gänzlich anderen Kernkompetenzen ausgestattet ist Rennie. An den Olympischen Spielen in Tokio resultierte ihr erster Ballkontakt im Dress der «Farne» gleich in einem Tor gegen Australien. Sie war zudem Bestandteil der Bronze-Equipe an der U17-WM 2018. Bildquelle: imago images/Sports Press Photo.
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Bild 7 von 12. Sarina Bolden (27/Philippinen). Sie schoss die Philippinen mit ihrem Penalty an der Asienmeisterschaft 2022 gegen Taiwan nach Neuseeland. Auch an der AFF Women's Championship, dem Südostasien-Cup, erzielte die in den USA geborene Bolden die meisten Tore. Bildquelle: imago images/Buzzi.
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Bild 8 von 12. Tahnai Annis (34/Philippinen). Die mit 1,55 m eher klein gewachsene Spielerin steht in Island unter Vertrag. Mit Þór/KA sammelte sie gar Erfahrung in der Champions League. Annis amtet auch als Botschafterin der «Athlete Ally», einer NGO für LGBTQ-Sportler. Bildquelle: imago images/ZUMA wire.
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Bild 9 von 12. Hege Riise (Norwegen). Europameisterin, Weltmeisterin, Olympiasiegerin. In ihrer Aktivzeit hat Riise mit Norwegen innert 7 Jahren alle wichtigen Trophäen gewonnen. Dazu kommen Meistertitel auf 3 Kontinenten. Als Trainerin hat Riise bei den zuletzt strauchelnden «Grashüpfern» indes ein schweres Erbe angetreten. Bildquelle: imago images/NTB.
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Bild 10 von 12. Inka Grings (Schweiz). Sie verkörperte einst den Begriff Vollblutstürmerin, führte Deutschland jeweils als Torschützenkönigin 2005 und 2009 zum EM-Titel. Von ihrer Erfahrung soll nun die Offensive der Schweizer Nati profitieren. Grings' formuliertes Minimalziel: das Erreichen der K.o.-Phase. Bildquelle: imago/geisser.
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Bild 11 von 12. Jitka Klimkova (Neuseeland). Die Tschechin hat zuvor bereits den Nachwuchs der Neuseeländerinnen trainiert. Ihr Antrittsversprechen im September 2021 lautete, den notorisch auf Defensive ausgerichteten «Football Ferns» offensives Leben einzuhauchen: «Egal gegen wen: Wir spielen immer auf Sieg.» Spannende Randbemerkung: Klimkovas Position als Aktive war Verteidigerin. Bildquelle: imago images/USA Today Network.
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Bild 12 von 12. Alen Stajcic (Philippinen). Im Herbst 2021 übernahm der Australier die Philippinen und führte sie direkt zur ersten WM in der Geschichte des Landes. Der langjährige Trainer der Frauen des Sydney FC und der australischen Frauen-Nati hätte die WM-Premiere dennoch gerne woanders als in Neuseeland gefeiert, denn: «Ich liebe es zu reisen.». Bildquelle: imago images/AAP.
Der Hauptgrund liegt auf der Hand: Lange dominierten bei den «Kiwis» die typischen Commonwealth-Sportarten Rugby, Cricket und Netball, eine Art Basketball. Doch der Fussball erfreut sich unterdessen wachsender Popularität. Die Nachwuchsarbeit trägt Früchte: 2018 holte Neuseeland WM-Bronze in der U17-Kategorie. Damals mit dabei war die heute 22-jährige Hoffnungsträgerin Gabi Rennie. Sie traf in der A-Nati mit ihrem allerersten Ballkontakt an den Olympischen Spielen in Tokio.
Gegnerische Teams aus dem Reisekatalog
Ein anderes Problem: Seit Australien 2006 zur Asien-Konföderation wechselte, gibt es für Neuseeland in den kontinentalen Wettbewerben keine Gegnerinnen auf Augenhöhe mehr. Die Ozeanien-Meisterschaft 2018 etwa, die auch als WM-Quali gilt, ging diskussionslos an die «Swanz». Mit dem Torverhältnis von 43:0 in 5 Partien. Die Kontrahenten heissen jeweils Fidschi, Tonga oder Papua-Neuguinea und lassen eher an malerische Strände denn an Fussball denken. Klimkova hat solch ein Turnier – und dementsprechend inflationären Torjubel – noch nicht miterlebt. Als Co-Gastgeberinnen war Neuseeland automatisch qualifiziert und nahm 2022 nicht am Ozeanien-Wettbewerb teil.
Auf die leichte Schulter nehmen sollte die Schweiz die Gastgeberinnen dennoch nicht. Wie schwer es sein kann, die neuseeländische Defensive zu knacken, erfuhren an der WM 2019 die Niederlande: In der Vorrunde bissen sich die späteren Finalistinnen 92 Minuten lang die Zähne aus, ehe doch noch das 1:0 fiel. Wenn dann auch noch Klimkovas Offensivpläne funktionieren und die Heimfans Euphorie entfachen können, ist eine Überraschung durchaus denkbar.