Es geht so weit, dass die Fussballer in Bosnien-Herzegowina fast schon einen Status der Heiligkeit geniessen. Vor allem jene, die das Nationaltrikot überstreifen. Die Innigkeit zwischen ihnen und der Anhängerschaft ist aussergewöhnlich, wie kaum woanders.
SRF-Experte Benjamin Huggel weiss um die Bedeutung: «Es geht um weit mehr als um Sport. Das ganze Land erhält durch den Fussball die Chance, an der Weltöffentlichkeit aufzutauchen.» Wer dies und die grosse Sehnsucht der Bevölkerung verstehen will, muss die Geschichte des Landes am Adriatischen Meer kennen. Nach dem Zerfall von Ex-Jugoslawien ist die Nation erst seit 1992 unabhängig.
Mehr geprägt, mehr verwurzelt
Edin Dzeko, der 40-jährige Schalke-Profi, gibt einen Einblick. Seine Kindheit sei nicht einfach gewesen. Die Situation aller Menschen, die während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina weilten, sei nicht einfach gewesen. «Die Zeit hat uns aber auch widerstandsfähiger gemacht. Wir haben mehr Liebe mit auf den Weg bekommen und wollen dies alles nach aussen tragen: als ein positives Land mit guten Menschen und grossem Respekt für alle anderen.»
Der Stürmer ist 148-facher Nationalspieler (73 Tore), und er ist auch im Spätherbst seiner Karriere noch immer der grosse Hoffnungsträger sowie Identifikationsfigur in einem. «Er lernte, mit dem Druck umzugehen, die Last erdrückt ihn längst nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren», denkt Huggel. Dzeko sagt über seinen Einfluss. «Es macht mich zum stolzesten Menschen der Welt», und bestätigt so diesen Eindruck.
Ein Volksheld wird also gewissermassen getragen von einer Volksseele, die kocht. Dzeko hat auch für diese starken Emotionen seitens der Fans eine Erklärung: «Viele mussten einst das Land abrupt verlassen und einfach gehen. Mein Gefühl sagt mir, dass diese Leute ein noch stärkeres Gefühl für ihre Heimat entwickelt haben.» Sie würden das Land, die Leute vermissen. Und weil gerade die Nostalgie so dominant sei, «sind alle bereit, uns zu unterstützen, wenn die Nationalmannschaft spielt».
Dzeko betont: «Alleine unsere Präsenz bringt sie ein Stück weit wieder nach Hause.» Zum 2. Mal nimmt der 1,93 m grosse Hüne nach 2014 mit Bosnien-Herzegowina an der WM-Endrunde teil. Am Donnerstag treffen seine Farben in der Gruppe B auf die Schweiz. Es wartet also ein Gegner auf die Nati, der auf der ganzen Linie brennt ...