Eingeführt wurden die sogenannten Hydration Breaks respektive Cooling Breaks 2014 an der WM in Brasilien. Waren sie seither nur bei Spielen unter grosser Hitze vorgesehen, gehören sie 2026 fix zum Ablauf. Ein Unterbruch pro Halbzeit, unabhängig davon, ob eine Partie am Nachmittag bei brütender Hitze oder am Abend in einem klimatisierten Stadion ausgetragen wird.
Für die Fernsehsender mit Übertragungsrechten bieten diese dreiminütigen Pausen selbstverständlich die Gelegenheit, möglichst viel Werbung auszustrahlen. Die Fifa schreibt den Sendern vor, 30 Sekunden vor Ende der Pause wieder zum Spiel zurückzukehren. Eine Regel, gegen die der US-Sender FOX bereits im Eröffnungsspiel verstossen hat.
Barbarez findet's weniger cool
Die Pausen würden, so der Vorwurf, den Rhythmus des Spiels unterbrechen. Eine Mannschaft, die unter Druck steht und vom Gegner dominiert wird, kann sich erholen, während der Trainer taktische Anpassungen vornehmen kann. Die schärfsten Kritiker monieren, die Aufteilung in vier Viertel wie beim Basketball oder American Football verfälsche die charakteristischen Eigenheiten des Fussballs.
Dies war auch die Kritik von Sergej Barbarez nach dem Sieg der Schweiz gegen Bosnien-Herzegowina in Los Angeles im zweiten Gruppenspiel. «Bis zu diesem Cooling Break lief es gut für uns. Diese Pause hat das Spiel gedreht», ärgerte sich der bosnische Nationaltrainer an der Medienkonferenz.
Sein Schweizer Gegenüber Murat Yakin konnte dagegen zufrieden sein. Er nutzte genau diesen Moment, um die späteren Matchwinner Johan Manzambi und Ruben Vargas einzuwechseln. «Es war unser Plan, diese Wechsel während der Pause vorzunehmen, damit der Gegner nicht reagieren kann», sagte Yakin.
Die Analyse der Momentum-Grafik, welche die Dynamik eines Spiels abbildet, scheint Barbarez' Eindruck zu bestätigen. Die Schweiz hatte die Partie vor der ersten Trinkpause (23. Minute) im Griff, danach verschob sich die Tendenz leicht. In der zweiten Halbzeit dominierte zunächst Bosnien-Herzegowina und setzte sich zwischen der 60. und 69. Minute im letzten Drittel der Schweizer fest. Danach veränderten die Pause und Yakins Wechsel die Dynamik spürbar.
Statistiken relativieren den Eindruck
Die Analyse eines einzelnen Spiels wie Schweiz – Bosnien-Herzegowina reicht allerdings nicht aus, um definitive Schlüsse über den Einfluss der Cooling Breaks auf den Spielverlauf zu ziehen. Deshalb untersuchte The Athletic, die Sportabteilung der New York Times, die ersten 24 Partien des Turniers.
Nur 14 der 48 analysierten Cooling Breaks führten laut den erweiterten Statistiken des englischsprachigen Mediums zu einer Wende beim Momentum. Zudem lässt sich nicht nachweisen, dass diese Veränderungen in der Spieldynamik ohne den Unterbruch ausgeblieben wären. Der optische Eindruck, den die Cooling Breaks hinterlassen, ist deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Klar ist hingegen: Vor allem die Werbepartner profitieren von diesen Pausen.
FIFA WM 2026