Von einem riesigen Autokorso war die türkische Mannschaft vor der Abreise zur WM 2026 von Fans an den Istanbuler Flughafen begleitet worden. Euphorie und die Begeisterung fürs Nationalteam waren da, die Vorfreude im Land auf die erste WM mit türkischer Beteiligung seit 2002 riesig. Manche sprachen von der besten türkischen Mannschaft aller Zeiten, Supertalente wie Kenan Yildiz, Arda Güler oder Can Uzun liessen die Türken träumen. Träumen von einem Abschneiden wie bei der letzten WM, als die Equipe um Hakan Sükür sensationell 3. wurde.
Kein Tor gegen Australien und Paraguay
Es kam anders, ganz anders: Bereits nach 2 von 3 Spieltagen ist klar, dass die Türkei die Gruppe mit den USA, Australien und Paraguay als Letzte abschliessen und damit vorzeitig ausscheiden wird. Aus der türkischen Träumerei wurde ein amerikanischer Albtraum: In Vancouver hatten die Türken Australien überraschend unterlegen und in der Nacht auf Samstag verloren sie überraschend mit 0:1 gegen Paraguay im San-Francisco-Bay-Area-Stadion.
Gegen Paraguay wurde den Türken durch die neuen Regeln und die Unachtsamkeit Miguel Almirons sogar eine 45-minütige Überzahl geschenkt. Der Spieler in Diensten von Atlanta United sagte etwas zu Gegenspieler Mert Müldür mit der Hand vor dem Mund. Seit dieser WM und wegen des Vergehens von Gianluca Prestianni bestraft die Fifa dies – egal was gesagt wird – mit einer roten Karte. Doch auch die Halbzeit in Überzahl reichte nicht zum ersten türkischen WM-Treffer seit Ilhan Mansiz' zwischenzeitlichem 3:1 im Spiel um Platz 3 gegen Südkorea 2002.
Die Entwicklung hatte gestimmt
Für die drei Europameisterschaften mit jeweils 24 Teams hatte sich die Türkei qualifiziert. 2016 scheiterte sie in der Vorrunde, ebenso 2021, als sie in einer Gruppe mit der Schweiz, Wales und Italien keinen Punkt einfahren konnte. Bei der letzten EM stiessen die Türken dann bis in den Viertelfinal vor. Entsprechend war die Vorfreude dann gross, als man sich via Playoffs zum erst dritten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte.
Umso grösser fiel die Enttäuschung aus nach dem frühestmöglichen Aus. Diese ist auch bei Güler zu spüren: «Wir sind richtig, richtig traurig, es ist auch beschämend. Wir entschuldigen uns bei unserem Volk», wird der Jungstar von Real Madrid bei der SID zitiert: «Wir weinen in der Kabine. Wir müssen alles tun, um das wieder gutzumachen.» Eines scheint klar: Von einem begeisterten Autokorso werden die Türken nach dieser WM in Istanbul nicht empfangen.