Eine abgedroschene Fussballweisheit lautet: Wenn du ein Spiel nicht gewinnen kannst, darfst du es wenigstens nicht verlieren. Das 1:1 der Schweiz gegen Katar fühlte sich aufgrund der Stärkeverhältnisse und des Spielverlaufs wie eine Niederlage an. Leicht abgewandelt passt die Weisheit für die Nati vielleicht folgendermassen: Wenn du ein Spiel nicht deutlich gewinnen kannst, musst du wenigstens das Unentschieden vermeiden.
Das sieht auch Davide Callà nicht anders. Zurück im Camp in San Diego begibt sich der Assistent von Murat Yakin am Tag danach für SRF noch einmal auf Ursachenforschung und lässt den Auftritt in Santa Clara Revue passieren. «Ein solches Spiel muss man einfach 1:0 gewinnen und die drei Punkte mitnehmen», sagt er. Top-Teams seien dazu in der Lage. «Da hat uns nicht die Disziplin gefehlt, sondern die Cleverness und Abgeklärtheit.»
Jugend statt Erfahrung? Callà winkt ab
Statt in der Schlussphase auf Erfahrung zu setzen, wechselte Yakin mit Zeki Amdouni, Miro Muheim und Ardon Jashari Spieler mit verhältnismässig wenig Länderspiel-Routine ein. Den Platz verlassen mussten Ruben Vargas, Ricardo Rodriguez und Remo Freuler. Im Nachgang beurteilte der Nati-Coach diese personellen Massnahmen selbstkritisch, hinterfragte sie sogar. Callà indes will nicht ins selbe Horn blasen. «Ich bin weiterhin überzeugt, dass die Einwechslungen in diesem Moment richtig waren.»
In ganz vielen Situationen haben wir es gut gelöst. In einigen nicht, dafür wurden wir bestraft.
Auch Kritik an der Experimentierfreudigkeit Yakins in der Defensive lässt der 41-Jährige nicht gelten. Denis Zakaria kam beispielsweise erstmals in einem Pflichtspiel als Teil einer Viererkette auf der Aussenverteidigerposition zum Einsatz. «Wir sind der Meinung, dass die Mannschaft absolut gewusst hat, was auf dem Platz passieren muss. In ganz vielen Situationen haben wir es gut gelöst. In einigen nicht, dafür wurden wir bestraft.»
Neben der fehlenden Effizienz in der Offensive moniert dagegen auch Callà, dass das Team aus den vielen Standardsituationen zu wenig herausholte. «Am Schluss fehlte die letzte Konsequenz. Auch daran werden wir arbeiten müssen.»