Mehr als 70 Minuten lang suchte eine dominante Nati im WM-Duell mit Bosnien-Herzegowina vergebens nach dem Schlüssel, um die gegnerische Abwehr zu knacken. Doch dann kamen Johan Manzambi und Ruben Vargas ins Spiel. Vor allem Ersterer steht nach dem 4:1-Erfolg im Zentrum des medialen Interesses.
Der Blick etwa titelte «Sankt Johan! Manzambi knackt den Bosnien Beton». Weiter hiess es im Boulevardblatt: «Nach der 1:1-Katarstrophe wurde er hart kritisiert, weil er defensiv nicht gut aussah. Aber jetzt zeigt er im Nervenduell gegen Bosnien, warum sein Marktwert in den letzten Monaten praktisch im Minutentakt in die Höhe geschnellt ist.»
Watson rückte neben den erfolgreichen Jokern auch Trainer Murat Yakin in den Fokus: «Es war bis zur Trinkpause in der zweiten Halbzeit ein riesiges Geknorze. [...] Man dachte sich schon: Yakin, welcher sich vor zwei Jahren an der Europameisterschaft eigentlich immer richtig entschied, hat sich verzockt. [...] Dann endlich macht Yakin, was wohl die halbe Nation von ihm forderte. Er wechselt in der 71. Minute gleich dreifach.»
Auch im Tessin gehörten die Schlagzeilen vor allem Manzambi. Nicht fehlen durfte aber einmal mehr auch Captain Granit Xhaka. In einem Kommentar im Corriere del Ticino heisst es: «Der Sieg gegen Bosnien-Herzegowina hat die Schweizer WM-Hoffnungen wiederbelebt. Doch Energie an einen charismatischen Anführer (gemeint ist Xhaka, Anm. d. Red.) zu verschwenden, von dem wir wissen, dass er dieses Benzin benötigt, ist ebenso ermüdend wie der Verzicht auf die Kreativität eines Spielers, den wir so dringend brauchen (gemeint ist Manzambi, Anm. d. Red.).»
Die Aargauer Zeitung streicht den Kontrast im Schweizer Spiel heraus vor und nach dem Dreifach-Wechsel: «Es sind 73 Minuten gespielt in diesem zweiten Schweizer WM-Spiel gegen Bosnien und Herzegowina. Gerade fragt man sich: Wann hat man letztmals eine so zahme Nati gesehen an einer WM oder EM? Hat diese Generation ihren Zenit gar überschritten? Doch dann kommt Johan Manzambi.»
Aus Sicht der NZZ sieht sich Trainer Yakin mit einem «Dilemma» konfrontiert, welches durch die Performance von Manzambi nun noch vergrössert wurde. Im Hinblick auf den weiteren Verlauf der WM wirft die Neue Zürcher Zeitung die Frage ins Spiel: «Wie viel Manzambi traut sich Yakin?»
Der Tages-Anzeiger geht sogar so weit, dass er Manzambi mit dem aus dem Nationalteam zurückgetretenen Xherdan Shaqiri vergleicht. «Sie sind grundverschiedene Typen, aber was früher für Shaqiri galt, gilt nun für Manzambi: Er ist der Spieler mit dem gewissen Etwas.»