Pia Sundhage ist in ihrer Karriere weit herumgekommen, als Trainerin noch etwas mehr als während ihrer Zeit als Spielerin. Nach ihrem zweijährigen Engagement als Coach der Schweizer Frauen-Nati hat die Schwedin mit 66 Jahren noch einmal ein neues Kapitel aufgeschlagen: Im Februar übernahm sie das Traineramt bei Haitis Frauen-Nationalteam.
«Als ich die Chance bekam, Haiti zu trainieren, hörte ich mich einfach sagen: Ja, das würde ich gerne machen», erzählt Sundhage im Gespräch mit SRF. Der Fussball habe sie an viele Orte geführt. «Und trotzdem muss ich sagen, dass ich so etwas noch nie erlebt habe», erzählt die Schwedin. Der Kontrast zur Schweiz könnte kaum grösser sein.
Von einem der reichsten in eines der ärmsten Länder
Seit ihrem Amtsantritt im Februar hat Sundhage mit Haiti drei Spiele bestritten (2 Siege, 1 Remis). Für die beiden Heimspiele gegen Anguilla und gegen die Dominikanische Republik musste das Team nach Guadeloupe ausweichen. Für Heimspiele ist es in Haiti aufgrund der politischen Lage zu gefährlich.
Ich habe es in mein Erinnerungsbuch aufgenommen. Und es wird ein grossartiges Kapitel in meinem Buch sein.
Es ist eine von mehreren Herausforderungen, mit der sich Sundhage konfrontiert sieht. Die Schwedin spricht aber bewusst nicht von Problemen. «Ich gehe von einem der reichsten Länder in eines der ärmsten Länder der Welt. Natürlich kann ich da nicht dasselbe erwarten.» Sie habe ziemlich niedrige Erwartungen gehabt und sich versprochen, sich mit all ihrer Erfahrung einzubringen. «Bisher läuft es gut.»
Das abschliessende 1:1 gegen die Dominikanische Republik hat gereicht, um sich als Gruppensieger für die CONCACAF Women’s Championships zu qualifizieren. Damit nimmt das Team im November am Finalturnier teil, wo man sich mit einem Sieg gegen Mexiko direkt für die WM qualifizieren könnte.
Das Beste herausholen – auch vom Verband
Bis dahin gibt es für Sundhage noch einiges zu tun, vor allem in organisatorischer Hinsicht, was nicht immer ganz einfach ist. Einige Spielerinnen im Kader verfügen etwa über eine doppelte Staatsbürgerschaft – zwei davon waren zuletzt aufgrund fehlender Papiere nicht spielberechtigt.
«Das sind Dinge, die geklärt werden müssen. Wir müssen uns auf den Verband verlassen und hoffen», so Sundhage, die zwei eigene Staff-Mitglieder mitgebracht hat. Noch ist beispielsweise auch noch nicht vollständig geklärt, welche Testspiele Haitis Frauen-Team im Länderspiel-Fenster im Juni absolvieren wird.
Sie sei schon an vielen Orten gewesen, sagt Sundhage. Sie wisse, dass es hier andere Standards, andere Vorgehensweisen gebe. «Ich glaube, meine Aufgabe ist es, das Beste herauszuholen, was wir können. Es ist noch ein langer Weg. Und ich liebe es, wie es ist. Es ist eine fantastische Chance, andere Spielweisen und andere Menschen kennenzulernen.»
Auf ihr zweijähriges Engagement in der Schweiz blickt Sundhage mit einem vollen Herzen zurück. Sie sei stolz auf die gesamte Reise, die im Sommer 2025 in der Heim-EM in der Schweiz gipfelte. Vergleiche will sie keine anstellen, dafür sei sie zu weit herumgekommen. «Ich habe es in mein Erinnerungsbuch aufgenommen. Und es wird ein grossartiges Kapitel in meinem Buch sein.»