Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

CEO bei RB Leipzig Haenni: «Strebe nicht danach, ein Vermächtnis zu hinterlassen»

Die Schweizer Funktionärin über ihre Pionier-Rolle, die Strahlkraft von RB Leipzig und den Austausch mit Jürgen Klopp.

Neuland zu betreten und Pionierarbeit zu leisten, ist Tatjana Haenni wahrlich nicht fremd. So war sie bei ihrem Engagement bei der Uefa die erste Angestellte, die ausschliesslich für Frauenfussball zuständig war. Als beim Schweizerischen Fussballverband die Abteilung Frauenfussball gegründet wurde, war sie die erste Direktorin und das erste weibliche Mitglied der Geschäftsleitung des SFV.

Ich bin jemand, der das Potenzial sieht und gerne entwickelt.
Autor: Tatjana Haenni

Nach einem Abstecher in die USA folgte schliesslich im Dezember 2025 der nächste Paukenschlag, als RB Leipzig verkündete, Haenni zum CEO zu machen. Somit wurde die 59-Jährige zur ersten Frau an der Spitze eines Bundesliga-Klubs.

Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

Eine Karriere wie im Märchen, auch stets so angestrebt? Mitnichten, wie Haenni meint: «Das war nicht gewollt. Ich würde von mir selber behaupten, dass mein Antrieb nie hierarchisch gewesen ist.» Sie habe nie davon geträumt, eines Tages CEO zu werden. Viel eher habe sie als Fussballbegeisterte das Glück gehabt, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. «Ich bin jemand, der das Potenzial sieht und gerne entwickelt», so Haenni.

Tajtana Haenni

CEO RB Leipzig

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Die gebürtige Bielerin hat im Schweizer Frauen-Fussball grosse Spuren hinterlassen und dessen Entwicklung massgeblich vorangetrieben. Bis 1998 war sie selber aktiv und absoliverte 23 Länderspiele. Von 2008 bis 2018 stand sie der Frauen-Abteilung des FC Zürich vor. Daneben war sie auch bei der Uefa und Fifa tätig. Ab 2018 begann sie für den Schweizerischen Fussballverband zu arbeiten, wo sie 2020 zur Direktorin des Schweizer Frauenfussballs ernannt wurde. 2023 wechselte die heute 59-Jährige in die USA, wo sie sportliche Direktorin der Frauen-Profiliga National Women's Soccer League wurde. Ab dem 1. Januar 2026 trat sie ihre Stelle als CEO bei RB Leipzig an – notabene als erste Frau in der Geschichte der Bundesliga.

Nachdem sie jahrelang für die Anerkennung und Entwicklung des Frauenfussballs gekämpft hat, ist Haenni nun in leitender Position im Männerfussball gelandet. Was für grosse Schlagzeilen gesorgt hat, ist für sie keine grosse Sache.

Natürlich sei es in den Medien immer mal wieder ein Thema gewesen und die Leute hätten sie darauf angesprochen. «Ich bin die erste Frau, die eine solche Rolle haben durfte. Ich hoffe aber, dass das irgendwann kein Thema mehr sein wird. Am Ende geht es einfach darum, die richtigen Leute für den richtigen Posten zu finden», meint Haenni.

Leipzig-Konstrukt in der Kritik

Leipzig stand nicht nur wegen Haenni in den Schlagzeilen, sondern immer auch wieder wegen des gesamten Konstrukts mit einem finanzstarken Alimentierer, dem diverse Klubs über den ganzen Erdball verteilt gehören und der nicht allzu viel auf Fussballtraditionen und Fan-Mitbestimmung gibt.

Er ist ein Experte, bei dem ich mich privilegiert fühle, dass ich zwischendurch auf ihn zurückgreifen kann.
Autor: Tatjana Haenni über Jürgen Klopp

Haenni versteht die Bedenken, verweist aber auf die sportlichen Erfolge und die wirtschaftliche Komponente für die gesamte Region: «Wir sind für Leipzig und Sachsen ein unglaublich wichtiger Partner. Wir sind ein Arbeitgeber und Steuerzahler.» Durch die Auftritte im Europacup mache man Leipzig international bekannt, man helfe in der Gastronomie beim Generieren von Umsatz und halte den Wirtschaftsmotor am Laufen.

Geht es um RB, fällt auch schnell der Name von Jürgen Klopp, der als «Head of Global Soccer» beim Energy-Drink-Hersteller angestellt ist. Haenni schätzt den Austausch mit der Trainer-Ikone sehr.

«Er ist ein Experte, bei dem ich mich privilegiert fühle, dass ich zwischendurch auf ihn zurückgreifen kann», so Haenni. Man tausche sich dann vor allem über strategische Themen aus, nicht etwa über sportliche wie die Aufstellung des Bundesliga-Teams am nächsten Spieltag.

Haenni: «Ich bereue nichts»

Privilegiert fühlt sich Haenni auch, wenn sie auf ihr bisheriges Leben und ihre Karriere zurückblickt. «Manchmal muss ich mich kneifen», sagt sie. Sie sei hundertprozentig zufrieden und bereue nichts.

Für sie ist es wichtiger, dass man gemeinsam ein Ziel erreiche, als dass man sich an sie erinnere: «Ich bin nicht jemand, der danach strebt, ein Vermächtnis zu hinterlassen.» Dass ihr Name aber bereits mehrfach in den Geschichtsbüchern auftaucht, daran kann auch Haenni nichts mehr ändern.

Super League – Highlights, 16.05.2026, 23:05 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel