Vor 5 Monaten sah es zappenduster aus für Mainz. Nach einem 0:1 gegen Mönchengladbach lagen die «05er» nach 13 Runden in der Bundesliga mit bloss 6 Punkten auf dem letzten Platz. Etwas musste geschehen. Und die Mainzer tätigten in der 17. Saison ohne Unterbruch im deutschen Oberhaus einen ihrer wichtigsten Transfers in der Klubgeschichte: Sie verpflichteten Urs Fischer.
Der Zürcher, zu diesem Zeitpunkt seit 2 Jahren ohne Job, sollte Mainz aus dem Tabellenkeller führen. Und der langjährige Union-Erfolgstrainer tat genau das. Unter ihm war die Mannschaft kaum mehr wiederzuerkennen. Gleich im 1. Bundesliga-Ernstkampf trotzte man den «Über-Bayern» auswärts ein 2:2 ab, nachdem man bis zur 87. Minute gar geführt hatte.
Fischer führt Mainz vom 18. auf den 10. Platz
Von den ersten 4 Liga-Spielen ging keines verloren, bei Saisonhälfte lag Mainz nur noch einen Punkt hinter dem Relegationsplatz. Im neuen Jahr drehte der Klub aus Rheinland-Pfalz dann richtig auf. Zwischen dem 24. Januar und dem 4. April lautete die Mainzer Bilanz: 6 Siege, 3 Unentschieden, 1 Niederlage.
Es braucht immer viele Hände.
Und so grüsst der FSV Mainz 05 nach 31 von 34 Runden von Platz 10. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt 9 Zähler, die Reserve auf den Relegationsplätze 8 Punkte. Mainz ist in der komfortablen Lage, dass es am Sonntag aus eigener Kraft den vorzeitigen Klassenerhalt sichern kann. Im Duell auswärts bei St. Pauli, das aktuell auf dem Relegationsplatz liegt, genügt dazu bereits ein Unentschieden.
Doch Fischer wäre nicht Fischer, wenn er in diesem Moment nicht auf die Euphoriebremse treten würde. «Das tönt alles sehr gut. Aber wir müssen unseren Job erledigen. Und der ist noch nicht ganz erledigt», so der 60-Jährige im Interview mit SRF Sport.
Die Arbeit vor dem Vergnügen
Rückblickend sagt Fischer: «Wenn du nach 13 Spieltagen mit 6 Punkten Letzter bist, dann steht es natürlich nicht zum Besten.» Aber alle im Klub hätten alles dem Ziel Klassenerhalt untergeordnet: «Es braucht immer viele Hände.» Für persönliche Eitelkeiten habe es in einer solchen Phase keinen Platz, so Fischer, der mit den Mainzern ganz nebenbei auch noch in die Viertelfinals der Conference League vorgestossen ist.
Was passiert, sollte Mainz am Sonntag den Klassenerhalt schaffen? «Dann fällt ein gewisser Druck weg, dann darf man sicher auch ein wenig feiern», sagt Fischer und ergänzt im gleichen Atemzug: «Aber eben, der letzte Schritt muss zuerst gemacht werden.»